Verschiffung Mexiko – Deutschland [Veracruz – Bremerhaven]

Unsere Erfahrung im Mai 2020: Verschiffung Veracruz-Bremerhaven (Mexico – Deutschland) in Kürze:

1. NAFTA/Zoll-Union: Wer mit seinem Wohnmobil länger als 1 Jahr in der Nafta, dem Zollverbund aus Canada, USA und Mexico bleibt, kann im Grunde nicht (Risiko) von den USA aus nach Deutschland zurückverschiffen. Die Canadier, z.B. in Halifax drücken zwei Augen zu und den Mexikanern ist die Jahresbegrenzung herzlich egal, denn sie erlauben Wohnmobilen 10 Jahre temporären Import (widersprüchlich, aber Fakt). Daher wählen wir die Hafenstadt Veracruz an der Nordküste Mexicos als Verschiffungsort. USA entfällt für uns, Halifax ist uns mit rund 10.000 Kilometer zu weit zu fahren (zumal wir die Ostküste bereits abgefahren haben).

2. Agenten und Agenturen: Für die Verschiffung sucht man sich einen Agenten, der die Schnittstelle zur Reederei bildet. Wir vergleichen per Email-Kontakten mehrere Angebote, was sich lohnt, denn die Preis-Spannen sind beachtlich! Wir entscheiden uns aufgrund von Empfehlungen/guten Erfahrungen anderer Reisender, die wir persönlich kennen, und eines guten Preises von 3200 Euro (volumenabhängig! inklusive Hafengebühren) für World Wide Shipping, kurz WWS, Inhaber Robert van Straten, Sitz Holland, und die Reederei K-Line, Frachtschiff Ro-Ro Orion Highway. Wir fühlen uns gut aufgehoben bei Robert (hat über 25 Jahre Erfahrung), erhalten stets schnelle, prägnante Antworten. Zusätzlich benötigen wir im Hafen von Veracruz für die Abgabe und Verzollung des Fahrzeugs einen zweiten Agenten. WWS stellt die Verbindung zu Cevertam her, Inhaber Luis. Laut iOverlander-Einträgen kann man die Hafen-Prozedur auch in Eigenregie durchziehen, aber dafür fehlen uns mitten in der Corona-Pandemie (Maßnahmen der Stufe 3 von 4 in Mexico) die Nerven. Mit Luis kommen wir nicht gut zurecht, er ist unkoordiniert, fahrig und konzentriert sich nicht auf die Belange seines aktuellen Kunden, sondern „g‘schaftelt“ mit Dutzenden zeitgleich. Er bietet uns zu keinem Zeitpunkt an, dass er die Verzollung allein ohne uns macht, wie es von anderen Agenturen in Veracruz berichtet wird, sondern spricht immer nur von „We‘ll do it together“, was für uns terminlich viel komplizierter zu koordinieren ist als gedacht – mit Corona-Einschränkungen, gecancelten Flügen, Umzug in eine andere Unterkunft etc. im Nacken.

3. Frühe Fahrzeugabgabe in Veracruz: Entweder wir überlesen es oder keiner beschreibt es konkret genug, aber wir werden in Veracruz von der frühen Fahrzeugabgabe überrascht. Wir treten an mit der Annahme, dass wir 1-3 Tage mit Papierkram zu tun haben werden, dann 2-4 Tage auf den Zolltermin warten und dann mit unserem Fahrzeug selbigen wahrnehmen und das Auto im Hafen lassen. Der Ablauf ist aber anders! Am Tag, an dem man mit dem Agenten verabredet ist, fährt man zur staatlichen Bank Banjercito und trägt als ersten Akt das Temporary Import Permit (TIP) seines Fahrzeugs aus. Damit ist es ohne Fahrerlaubnis. Man fährt in den Hafenkomplex und gibt es dort an einem sehr sicheren, bewachten Zoll-Parkplatz ab! Dort steht es dann, bis der Zoll einen Termin avisiert, man selbst hat kein Zuhause mehr und muss sich in AirBnB, Motel, Hotel o.ä. unterbringen.

4. Orientierung im Hafen Veracruz: Nach 2,5 Jahren Reisezeit halten wir uns eigentlich für ganz „fit“, was das Zurechtfinden anbelangt, aber im Hafen von Veracruz fehlt jedwede Beschriftung an den Posten und Gebäuden, so dass man sich nicht zurechtfinden kann, es sei denn, man fragt sich mühsam durch. Man braucht eine Genehmigung für alle Personen, die das Hafengelände betreten und eine für das Fahrzeug (bei CALT). Man muss die vorab beantragten Zollpapiere am Ende einer seitlich gelegenen „Durchleuchtungslinie“ amstempeln lassen an einem Häuschen, bei dem man noch nicht mal erkennt, das dort jemand sitzt. Kurzum: Viel Zeit und Geduld mitbringen, wer‘s ohne Agenten machen möchte…

5. Zollbeschau: Obwohl es nicht ganz nachvollziehbar ist, da das Fahrzeug das Land verlässt und nicht einreist, nimmt der Mexikanische Zoll eine intensive Kontrolle der Wohnmobile vor der Verschiffung vor. Dazu gehört das Ausräumen beliebig vieler Gegenstände aus dem Fahrzeug (auf Anweisung des individuellen Beamten) und die Einsichtnahme in alle Schränke. Danach kommt ein Drogenspürhund. Die Prozedur dauert zwischen 30 Minuten und drei Stunden, bei uns 1,5 Stunden. Der Termin wird seitens des Zolls sehr kurzfristig (halbe Stunde) angekündigt, so dass man entweder seinen Agenten vorschicken oder sehr nah am Hafen Quartier beziehen muss, um rechtzeitig am Zollparkplatz zu sein.

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Für die Zollbeschau müssen im Hafen Veracruz zur Verschiffung von Wohnmobilen alle Klappen geöffnet werden
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Die ausgeräumten und vom Zollbeamten in Veracruz, Mexico, begutachteten Gegenstände müssen an Ort und Stelle liegen bleiben, bis der Drogenhund kommt und ebenfalls alles abgesucht hat, erst dann darf man einräumen
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Wir sichern die Untersetzungshebel, damit keiner daran herumspielen und Schaden anrichten kann
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Das Fahrzeug muss „blickleer“ sein, also keine losen Gegenstände zu sehen sein.

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