Alaska: Erfahrungsbericht & Zusammenfassung [Alaska]

Zusammenfassung & Fazit Alaska

Wenn man von Alaska in den diversen Medien vom klassischen Reiseführer bis hin zum Youtube-Videoclip erfährt, strotzen die Berichte vor Superlativen: abundant wildlife, once in a life time adventures, untamed wildernesses, huge national parks. Wer ungern Negatives liest, sei vorgewarnt: Nach den ersten Absätzen wird es in unserem Fazit zu Alaska kritisch, sogar sehr kritisch. Denn für uns hat Alaska längst nicht das gehalten, was es verspricht und selbst von sich behauptet. Wir lassen diese persönliche Einschätzung nicht einfach im Raum stehen, sondern versuchen sie, im Folgenden rational nachvollziehbar zu begründen. Wer lieber rundum positive Reiseberichte lesen möchte, der sei auf unsere Zusammenfassung & Fazit Canada verwiesen, denn in British Columbia, Yukon und Northwestern Territorries und Alberta hat es uns richtig gut gefallen!

Bilder gesammelt am Ende dieses Beitrags.

Das passende Fahrzeug

Das Image, das Alaska umweht, verleitet leicht dazu, zu glauben, man käme in Alaska nur mit einem Offroad-Fahrzeug zurecht. Das Gegenteil ist der Fall: Offroad braucht man nicht. Die (wenigen) Straßen, die es gibt, sind geteert und Dirt Roads sind in einem hervorragenden Zustand, von den Schäden des auftauenden Permafrostbodens einmal abgesehen. Für weitere Exkursionen in die Backcountry hilft kein 4×4 und kein Expeditionsmobil. Man muss fliegen, mit dem Boot fahren oder eine kostspielige Kombination aus beidem buchen. Zu Fuß geht ohne Mehrtagestrips kaum etwas. Deshalb reicht ein Standard-Wohnmobil oder ein (Miet)-Pkw völlig aus, um Alaska hinlänglich zu bereisen.

Großartige Natur

Ja, die findet man in Alaska, für unseren Geschmack vor allem entlang der Küsten rund um Städtchen wie Stewart, Valdez, Seward oder Homer. Die Berge sind schroff, die Fjorde tief, eine bewegte, abwechslungsreiche Landschaft, im Sommer zum Teil mit üppigen Blütenteppichen bedeckt. Dank Drohne können wir auf viele Landschaften aus der Vogelperspektive blicken, die aus Augenhöhe oft schwer zu erfassen sind und können spektakuläre Formen und Farben erleben. Entlang des Kluane National Parks auf dem Alaska und Haines Highway begeistert uns der offene, weite Blick über die Tundra, ebenso in der Gegend um den Denali National Park, nur erleben wir diese bei strömendem Regen.

Dauer einer Alaska-Reise

Wir hatten für Alaska mindestens zwei Monate eingeplant, eher drei. Geblieben sind wir knapp fünf Wochen. Um mehr Zeit mit unserer Interessenslage (Landschaften, Flora & Fauna) zu füllen, hätten wir unsere Reisekasse überstrapazieren müssen, um mit Float Plane oder Boat an weitere, schöne Plätze zu gelangen. Mehrtägige Wanderungen kommen leider aktuell für uns nicht in Frage, da wir mit unserer 14,5 Jahre alten Hündin Trixie reisen, die in Nationalparks und anderen Schutzgebieten nicht erlaubt ist.

Teures Pflaster

Man liest und hört oft, dass Alaska teuer sei. Wie teuer es tatsächlich ist, erfahren wir erst bei unserem Versuch, die Natur zu erleben, denn hinsichtlich der Nahrungsmittel schlägt Alaska nicht wesentlich höher zu Buche als der Rest der USA, wenn man Alkohol und andere Genussmittel weglässt, Benzin/Diesel ist günstig. Da wir mit dem eigenen Auto und zu Fuß der Wildtiere nicht wie gewünscht habhaft werden, buchen wir in Alaska mehrere Touren – und die gehen richtig ins Geld! Und letztlich begrenzen diese Kosten, die bei uns nur für zwei Personen zu Buche schlagen, die Alaska-Reise einer Familie mit zwei Kindern mit Sicherheit drastisch, denn unsere Bootstouren kosten zwischen 145 und 200 Dollar pro Person, die Flüge zum Katmai National Park (Brooks Camp) je 900 Dollar, die Fährfahrt mit dem Alaska Marine Highway Schiff 1200 Dollar. Da fällt die Bustour im Denali Nationalpark mit 42 $ pro Person schon fast unter die Rubrik „billig“ und kaum mehr ins Gewicht. Bis auf letztgenannte Tour (der Denali war für uns der komplette Reinfall und einer der am schlechtesten erlebbaren USA-Nationalparks überhaupt), waren für uns alle Touren ihr Geld wert. Während der Bootstouren haben wir nicht nur die Fjordlandschaft und imposante Gletscher gesehen, sondern auch jede Menge Meerestiere von Stellers Sea Lions über Humpback Whales, Orcas und Harbour Seals bis hin zu den putzigen Sea Otters. Die Brown Bears an den Brooks Falls waren unfassbar, ein unvergessliches Erlebnis und sicher für lange Zeit unübertroffen. Aber: Bei uns bleibt am Ende jeden Tages das Gefühl zurück, dass man sich als Tourist das Wildlife-Erlebnis wirklich teuer erkaufen muss, sonst bekommt man es in Alaska gar nicht. Im Übrigen kein schlechtes Wirtschaftskonzept, das viel Geld in Alaskas Kassen spült: Man nehme den Touristen das Naturerlebnis durch die Jadg dort weg, wo sie alleine hinkommen, dann müssen sie unsere teuren Touren in Anspruch nehmen. Und geführte Touren sind eigentlich überhaupt nicht unser Ding und wir meiden sie, wo es nur geht.

Romantische Campsites in wilder Natur

Hier gilt Ähnliches wie für die Straßen: Wo man mit dem Fahrzeug hinkommt, findet man durchaus attraktive Campsites, diese liegen aber nicht weit ab in der Wildnis, sondern eher in Straßennähe, sei es Dirt oder Pavement. Da sich die Ziele rund um Anchorage in den Sommermonaten großer Beliebtheit bei Amerikanern und Touristen aus aller Welt erfreuen, geht es jedoch ziemlich zu, einsame Plätze sind Fehlanzeige. Wir persönlich haben bisher zahllose Traumplätze in den Bundesstaaten Utah, New Mexico, Nevada, Oregon oder Colorado gefunden, in Alaska nicht.

Lange, langweilige Strecken

Wir reisen nach der Devise, dass man auch in sehr ähnlichen Landschaften immer Neues entdecken kann, wenn man nur genau genug hinguckt. Deshalb waren die bewaldeten Strecken Alaskas für uns a priori kein Negativum, sondern vielmehr ein riesiger Raum und umso mehr Chancen, Wildtiere sehen können. Da sich genau das nicht bewahrheitet hat (dazu gleich mehr), wurden leider auch für uns die Waldstrecken zu eher zähen und langatmigen Fahrten ohne wirkliche Highlights.

Erwartungen und Realität

Wenn wir mit einer Situation unzufrieden sind, bemühen wir uns um eine Analyse des Warum? Alaska stand lange ganz oben auf unserer Reise-Wunschliste, seitdem wir 2010 mit längeren Touren in den USA begonnen haben, haben wir jedes Jahr wieder daran gebastelt, hoch in den Norden zu können, aber späte Reisezeiten zwischen Oktober und Dezember haben es verhindert. Sind wir also mit zu hohen Erwartungen in Alaska angetreten? Nein, denn in unseren Köpfen hat sich nur dasjenige Bild von Alaska eingenistet, von dem man überall hört uns sieht: Wildtier-Paradies, weitgehend intakte Natur mit riesigen Nationalparks und anderen Schutzgebieten, rau, aber voller unberührter Wildnis. Auf jedem Prospekt prangen einem die Bärenbilder, Wal-Fluken und Gletscher entgegen, die ins Meer münden. Alles scheint erreichbar, alles zum Greifen nah. Im Fodor‘s Travel Guide Alaska steht gleich auf Seite 9: „Magnificent brown bears are found all over southern and interior Alaska, but Kodiak Island and Katmai National Park are the most popular spots for a sighting.“ Hört sich gut an, stimmt aber nicht. In Alaska sehen wir aus eigener Kraft keinen einzigen Bären! Wer nach Kodiak oder Katmai will, muss fliegen, Kostenpunkt ab mindestens 600 Dollar pro Person, eher 900. Auf Seite 14 heißt es im Fodor‘s: „Wildlife abounds all over Alaska“. Wir sehen großflächig betrachtet in Alaska weniger Wildtiere als auf so mancher Etappe im Südwesten der USA außerhalb von Schutzgebieten… Kurz verweggenommen unsere Vermutung einer Erklärung (dazu weiter unten mehr): Wildtiere in Alaska sind mit Ausnahme der National Parks überall zum Abschuss freigegeben, entlang aller Wege wird gejagt und das gründlich, Wildtiertöter aus aller Welt fliegen in Alaska allein zu diesem Zwecke ein. Die Wildtiere, die das überleben, sind so scheu, dass sie Menschen, Trails und Straßen meiden, die nicht überleben, sind für jeden unwiderbringlich ausgelöscht.

Falsche Informationen

Wir finden sogar immer wieder Beispiele dafür, dass in der Werbung für Alaska nicht bei der Wahrheit geblieben wird. In den Broschüren, die wir unterwegs in den Visitor Information Center sammeln, werden gern Bären-Bilder verwendet, die eindeutig, weil unverwechselbar, an den Brooks Falls geschossen wurden. Die Brooks Falls liegen im Katmai National Park südlich von Achorage. Wenn stattdessen das Bear Viewing entlang des Alaska Highways, der 2000 Kilometer entfernt liegt, mit Brooks-Falls-Fotos beworben wird, ist das eine schlichte Lüge. Offentlich sind wir im Vorfeld in einige dieser Halbwahrheiten getappt und haben vielleicht nur das gesehen, was wir auch sehen wollten – und die Zwischentöne oder Details übersehen.

Kein Wildtier-Paradies, sondern ein Jagd- und Anglerparadies

Wir gewinnen den Eindruck, dass der Jagd und Anglerei überall Priorität eingeräumt wird, der friedliche Natur-Beobachter steht hinten an. Er muss mit dem zufrieden sein, was die Jäger und Angler übrig lassen, zum Beispiel hängen Lachse und Bären eng zusammen. Am Russian River auf der Kenai Peninsula beispielsweise sollen Grizzlies zum Lachsfangen an den Fluss kommen. Angesichts hunderter Angler, die im Meterabstand im Wasser stehen, traut sich aber sicher kein Bär in die Nähe, außer mitten in der Nacht. Zudem trägt jeder Angler eine Waffe – kein letztlich harmloses, weil nicht tödliches Bärenspray – die mit breitem Konsens eingesetzt, wenn ein Bär vom Salmon Run ein Stück abhaben möchte. Entlang des Denali Highways sehen wir ein Gruppe von sechs Caribous keine zwei Kilometer von einem der Jagd-Camps entfernt, das mit der nächsten Saison wirbt. Ein mehr als schales Gefühl legt sich auf unser Gemüt, während wir die Caribous beobachten, denn die nächste Woche werden diese Tiere in Straßennähe nicht überleben. In Canada können wir einem Biber in 15 m Entfernen beim Abknabbern eines Zweigs beobachten, in Alaska finden wir neben einem Biberdamm die abgeschlachtete Leiche eines Bibers, dem man nur rasch das Fell abgezogen hat, der Rest liegt zum Verwesen im Gras. Beim Tagesausflug in den Katmai Nationalpark zum Bear Viewing steigen in die Nachbarflugzeuge bewaffnete Jäger mit ihren Waffen-Taschen ein, die zeitgleich zum Bären-Schießen gebracht werden für die Bären, die einen Schritt außerhalb des Nationalparks wagen. Im Wrangell-St. Elias National Park erzählt uns eine Rangerin ganz unverblümt, dass man in den entlegenen Gebieten des Nationalparks mit dem Flugzeug auf Bärenjadg geht. Diese und viele weitere Erlebnisse dieser Art schlagen uns nachhaltig auf die Stimmung, denn wir sind in den hohen Norden gekommen, um lebendige Tiere in großer Zahl zu sehen.

Erschreckende Zahlen

Man findet sie nur bei genauer Recherche und hartnäckigem Nachfragen. Zahlen zu Bestandsdichten, Abschusszahlen etc. werden ungern preisgegeben, man ergeht sich in den Reiseprospekten lieber in langen Aufzählungen, dass überall Bären, Wapitits, Rehe, Elche, Vielfraße, Wölfe, Caribous, und 250 verschiedene Vogelarten zu sehen seien, von denn Otto-Normal-Reisender vielleicht 1-2 zu sehen bekommt. Hakt man mit den Zahlen und damit Fakten nach, erfährt man, dass 2.000 Bären PRO JAHR in Alaska abgeschossen werden (Quelle: Thomas Mangelsen), mehr als in den restlichen USA überhaupt leben! Hinzu kommen illegale Tötungen. Wir lesen im Alaska Wildlife Preserve, dass Bald Eagle zwar unter Schutz stehen, aber trotzdem rund 2.000 Vögel pro Jahr an- oder abgeschossen werden, unfassbar! Im Bärenpark in West Yellowstone hängen Karten aus, wieviele Bären aus angeblichem „defense of life or property“ von den Anwohnern abgeschossen werden. Die Auslegungsspanne einer „Verteidigung des Besitzes“ gegen einen Bären ist sehr weit und erlaubt es, die wertvollen Kreaturen schon dann zu ermorden, wenn sie die Schnauze durch den Zaun oder den Fuß auf die Garagenauffahrt setzen. Solche „Regeln“ erscheinen in unseren Augen als Un-Recht in einem Erdenzeitalter, da man das kärglich verbliebene Wildlife schätzen und nicht ohne wirklich guten Grund und nur als letztem Ausweg und sollte. Man kann Bären sicher auch mit Lärm oder Elektrozäunen von „life & property“ der Bewohner fern halten, ohne dass irgendjemand – weder Bär/Wolf, noch Mensch – zu Schaden kommt.

Trugschluss

Wir fragen die Alaskaner zu allen möglichen Gelegenheiten, wo man denn Bären und Co. sehen könne? Als Antwort erhalten wird ganz oft: „Die sind überall! Wir sehen die ständig und überall. Bei mir in der Wohngegend spazieren die Elche durch den Vorgarten und bei meinem Nachbarn geht eine Schwarzbärin mit Jungen ein und aus.“ Ein krasser Trugschluss, denn die Tatsache, dass das Wildlife in den Siedlungen Zuflucht sucht, wo nicht gejagt wird, lässt keineswegs die Schlussfolgerung zu, dass ergo das Wildlife ÜBERALL sei. In der großen Fläche außerhalb von Siedlungen und Schutzgebieten ist es nämlich weit weniger zahlreich, sehr scheu und für uns Touristen nicht zu sehen. Wir sehen im Stadtpark von Achorage an einem Abend acht Elche, am nächsten sechs, auf der gesamten Kenai Peninsula mit ihren Wildlife Refuges kommen wir über drei Wochen verteilt mit speziellen Abendfahrten auf vier Elche, entlang der McCarthy Road im Wrangell-St. Elias National Park auf drei an zwei Tagen. Wir sehen Elche mitten in den Ortschaften Hope und Soldotna. Für uns starke Beweise dafür, wir sehr die Tiere neben ihrem direkten Tod auf die Jagd reagieren und wissen, wo sie sicher sind und wo nicht. Dass sich aber die Bevölkerung den Bären aufbinden lässt, aus der Wildtierdichte in den Siedlungen könne man auf die Fläche schließen, ist uns nicht neu: In Deutschland passiert das Gleiche in Grün, weil sich Vögel und Säugetiere in die Städte flüchten, wenn sie in der ausgeräumten Landwirtschaft nichts mehr finden.

Euphemismen als Motto

Aus der Art, wie etwas ausgedrückt wird, kann man sehr viel über die Grundeinstellung des Sprechers ablesen. Das Fachchinesisch der Jäger spricht Bände und beginnt in oberster Instanz. Diejenige Behörde, die den Wildbestand in Alaska managen soll, nennt sich „Department of Fish and Game“. „Game“ heißt „Spiel“, bezieht sich hier aber auf lebendige Wesen, deren Gene sich von denen des Menschen nur in wenigen Prozent unterscheiden. Spielzeuge sollten Wildtiere nicht sein… Wenn man Tiere in Alaska abschießt, spricht man vom „harvesting“, also ernten. Ernten sollte man aber angesichts weltweit schwindender Tierbestände nur das, was man auch gesät hat? Gebieten, in denen järlich hohe Abschussquoten festgelegt werden, heißen “Wildlife Refuges“, also „Zufluchtsorte“. Welch‘ fieses Spiel, Lebewesen eine Zuflucht vorzugaukeln, um sie zu töten? Der krasseste Euphemismus aber ist der Begriff „sportsmen“ als Titel für die Jäger. Sport ist Mord, aber nicht für den Sportler. Wenn das Töten von Erdenmitbewohnern ein Sport ist, wie mag es da um die Moral der waffenverliebten Gesellschaft bestellt sein? Wir hören in Montana, das in unserer persönlichen Wertung Alaska diesbezüglich sehr ähnlich ist, von einer Anwohnerin, dass ihre beiden Nachbarn in ihrem Garten je einen Mountain Lion erschossen haben. Ganz „sober=sauber“ mit Pfeil und Bogen. Von der Wohnzimmer-Couch aus… Beim „catsch & release“ zieht man Forellen, Lachsen und Co einen Angelhaken durch die Wangen, holt sie aus dem Wasser und wirft sie inklusive oft übler Verletzung gestresst und entkräftet ins Wasser zurück – und nennt das „sport fishing“. Letztlich spricht für uns aus diesem Vokabular die Grundeinstellung der Alaskaner (und vermutlich vieler Amerikaner generell): Die Natur ist dazu da, dass man sich nimmt, was man will (nicht, was man braucht…). Dem persönlichen Interesse wird die Nachhaltigkeit untergeordnet. Alaska hat aus seiner eigenen Geschichte, die die Tierbestände bereits im 19. Jahrhundert an den Rand der Ausrottung gebracht hat, nicht genug gelernt. Die Bestandsdichten, die aktuell vom Department of Fish and Game verfolgt werden, entsprechen nur zu einem Bruchteil den Zahlen vor Ankunft der Goldsucher und es scheint keine Bestrebungen zu geben, dass die Zahlen steigen, jeder Überschuss wird in „guter, alter Tradition“ sofort durch die Jagd abgeschöpft. Bis heute gibt es zum Beispiel Traplines zum Fallenstellen, einer der grausamsten Methoden überhaupt! Für die Bärenjadg werden die Opfer bis heute mit Fleischhappen angelockt, die gerne mal von Schwarzbären stammen (Original-Ton eines Alaskaners), damit das Erlegen für die zahlenden Jäger vereinfacht wird. Und wenn die sich dann auch noch als „Naturschützer“ darstellen und die Jagd als „Notwenigkeit“, die Natur zu erhalten, dann kommt uns persönlich echt das K…. vor so dreister Lügerei.

Der Schein trügt

Alaskas Landschaften wirken weitgehend unberührt, auch wenn hier mal eine Mine oder Ölfirma sitzt oder die Spuren von Holzeinschlag zu sehen sind. Ganz so natürlich wie es scheint, ist aber vieles längst nicht mehr. So erfahren wir in Valdez, dass die dortige Fish Hatchery am Solomon Creek so viel Lachs-Nachwuchs produziert, dass die Fischereiwirtschaft erhalten bleiben kann. Auf den Infotafeln wird entsprechend von „ocean farming“ gesprochen, einer Art „open range“ für Fische (statt für Kühe). In anderen Flüssen ist der Salmon Run zwar noch natürlich, aber die Strategie der Fish Hatcheries zeigt doch deutlich, dass Alaska der Natur mehr entnimmt, als sie nachzuliefern imstande ist. Für die Jadg auf Wildtiere wagen wir dementsprechend ebenfalls zu bezweifeln, dass diese nachhaltig reguliert ist, sondern kurzfristigen Interessen der jetztigen Generation unterliegt und nicht den Future Generations, die vielleicht auch noch einen lebendigen Bären in freier Wildbahn sehen möchten. Die Lebenserfahrung zeigt, dass vieles, was behördlich geregelt wird, träge auf Veränderungen reagiert. Angesichts immer mehr verfügbarer Technik, die auch den Jägern zur Verfügung steht, wie zum Beispiel Drohnen, ist eine zu starke Dezimierung von Wildtier-Populationen schneller eingetreten, als Behörden zu reagieren imstande sind. Früher sind Jäger zu Fuß gegangen oder geritten. Heute fliegen sie im Helikopter, knattern auf ATV‘s durch Tundra-Matsch und Schnee oder erreichen mit fetten Außenbordern entlegene Fluss- oder Seengebiete. Auf diesen technischen Wettlauf zum Schaden der Tiere wird nur zeitverzögert reagiert, wenn überhaupt (siehe Euphemismus-Absatz).

Unnötige Angstmache

Wir stoßen allenthalben auf Unverständnis, wenn wir äußern, Bären sehen zu wollen. Die seien doch total gefährlich und ob wir denn Bärenspray hätten, bekommen wir zur Antwort. Dabei sind Bären keineswegs gefährlich, es sind einfach nur Wildtiere mit einem bestimmten Verhalten, das man verstehen und einschätzen kann. Die Ursache für diese nachgerade Panikmache vermuten wir in der Praxis der Nationalparke und anderer Schutzgebiete, die nicht müde werden, überall „Be bear aware“-Schilder aufzustellen und vor der Gefahr eines potentiellen Bären-Angriffs zu warnen, selbst dort, wo seit 20 Jahren kein Bär mehr lebt oder wo täglich 20.000 Menschen einen Trail benutzen und der nächste Bär zehn Meilen weit weg ist. In den Buchregalen der Nationalpark-Shops findet man regelmäßig Titel wie „Deadly Bear Attacks“ oder „Beasts“, was einer positiven Erziehung (education ist den Amerikaners super wichtig…) völlig entgegenläuft. Geradezu lächerlich nimmt es sich aus, wenn asiatische Touristengruppen in Horden mit bimmelnden Glöckchen durch die Gegend laufen zur Bärenabwehr… Der Ernst kommt dann, wenn Bären unnötig getötet werden, weil sie sich in bester Absicht und völlig friedlich einem Menschen nähern, der in seiner Großstadt so naturfern aufgewachsen ist, dass er kein tierisches Verhalten kennt oder deuten kann. Objektiv betrachtet, ist das jedoch kein Fehler des Bären oder Wolfs, sondern das des Besuchers! Die ständige Angstmache fördert sicherlich nicht den Wunsch der Anwohner, Bären in ihrer Nähe zu tolerieren, statt eines Miteinanders mit den Wildtieren bleibt es auch in Alaska bei einem Nebeneinander wie überall auf der Welt. Schade, bei der immensen Menge an Fläche und ungenutztem Land!

Fazit

Während unserer früheren Herbstreisen sind wir auch in den Lower-48-States des Öfteren mit der Jagd konfrontiert worden, haben Wapitis auf Gepäckträger geschnallt gesehen, Eingeweide und abgetrennte Wapiti-Köpfe am Straßenrand liegen sehen und Jäger, die bis an die Zähne bewaffnet auf Freizeitwegen herumlaufen. Aber nirgendwo ist uns die Machtstellung der Jagd und ihre alleinige Priorität so deutlich aufgefallen wie in Alaska. In Alaska basiert die ganze Lebensweise, der Alltag und die Grundeinstellung zum Mensch-Sein darauf, sich aus dem Topf der Natur zu bedienen, ohne etwas in Form von Kultur (mit Ausnahme der Fish Hatcheries) zurückzugeben (Viehwirtschaft und Ackerbau werden in Alaska nicht praktiziert). Angesichts für uns Europäer unvorstellbar riesiger, unbesiedelter und weder land- noch forstwirtschaftlich oder industriell genutzten Landes mit einem fantastischen Potential, Wildtieren Lebensräume zu bieten, mutet es in unseren Augen als ebenso unvorstellbar an, dass das darin unter harschen Klimabedingungen in kargen Ökosystemen lebende Großwild durch die Jagd zu solch‘ geringen Populationsstärken und -dichten dezimiert wird, dass man es nicht zu sehen bekommt. Am Ende unserer Alaska-Tour freuen wir uns auf den Grenzübertritt nach Canada: Während unserer Reiseroute durch Canada sehen wir im Durchschnitt einen Schwarzbären pro Tag, während unserer 45 Tage in Alaska keinen einzigen Schwarzbären und keine Grizzlies mit Ausnahme der Hot Spots Katmai National Park, Haines und Hyder.

Ausgeweideter-Biber-Denali-Highway-Alaska Alaska: Erfahrungsbericht & Zusammenfassung [Alaska]
Gelynchter und achtlos liegen gelassener Biber, Denali Highway, Alaska
Ausgeweideter-Biber-Denali-Highway-Alaska Alaska: Erfahrungsbericht & Zusammenfassung [Alaska]
Jagd-Einschränkungen, die keine sind – Denali Highway, Alaska
Ausgeweideter-Biber-Denali-Highway-Alaska Alaska: Erfahrungsbericht & Zusammenfassung [Alaska]
In den Publikationen werden nicht selten Schwarzbär und Grizzly verwechselt wie hier: im Foto ist ein Schwarzbär gezeigt; gute Informationen für Touristen sollten anders aussehen?
Ausgeweideter-Biber-Denali-Highway-Alaska Alaska: Erfahrungsbericht & Zusammenfassung [Alaska]
Auf jeden Elch darf irgendwann geschossen werden, ob klein oder groß…
Ausgeweideter-Biber-Denali-Highway-Alaska Alaska: Erfahrungsbericht & Zusammenfassung [Alaska]
Zu den Jagdopfern kommen ohnehin Tier-Tode aus diversen, anderen Gründen hinzu….
Ausgeweideter-Biber-Denali-Highway-Alaska Alaska: Erfahrungsbericht & Zusammenfassung [Alaska]
Erschossener und liegen gelassener Schwarzbär, die Handschuhe des Täters liegen noch daneben…
Ausgeweideter-Biber-Denali-Highway-Alaska Alaska: Erfahrungsbericht & Zusammenfassung [Alaska]
Angstmache…