Reisen mit Hund im Wohnmobil – Erfahrungen USA

Mit Hund und Wohnmobil on tour

Mit Hund und Wohnmobil on tour

Unsere inzwischen 14 Jahre alte Mischlingshündin Trixie ist ein weit gereister Kontinentenbummler und derzeit seit zusammengerechnet 2,5 Jahren mit uns auf Reisen. Und wie ist das so mit einem Vierbeiner in fremden Ländern?

Kurzfassung

Ein fideler, gut erzogener Hund ist ein fantastischer Reisebegleiter, denn er sorgt jeden Tag für Action und gute Laune. Man kann sich auch im kleinsten Wohnmobil wunderbar mit Hund arrangieren, denn Hunde sind extrem anpassungsfähig und geduldig. Die Begeisterung für Hunde teilen jedoch nicht alle Mitmenschen und so stellen sie Regeln auf, dass Hunde zum Beispiel nicht auf Wanderwegen in den Nationalparks laufen dürfen oder auf bestimmten Campgrounds unerwünscht sind. Das schränkt im Detail die Wahl der Reiseziele etwas ein, ist aber kein Grund, ohne felligen Begleiter zur reisen. Aus unseren Erfahrungen heraus absolut nicht zu empfehlen ist das Fliegen mit Hund. Wir haben bis dato vier Hin- und Rückflüge mit unserer Trixie absolviert, was für unseren Vierbeiner keinerlei Problem war, aber dafür umso mehr für uns.

Fliegen mit Hund: Reine Schikane

Natürlich hängen Erlebnisse wie die unseren mit der Fluggesellschaft und dem Einzelfall zusammen und es gibt bestimmt auch Flüge, die glatt laufen. Mit Condor machen wir zwei Mal schlechte Erfahrungen, ein Mal mit Lufthansa.

Update 2019: Inzwischen schließen diverse Fluggesellschaften wie Condor den Transport von Hunden ab 1. Mai jeden Jahres in bestimmte Zielflughäfen wie Las Vegas oder Phoenix aus. Die Überraschung, die wir mit bereits gebuchten Ticktets erlebt haben, sollte also nicht mehr auftreten. Die Listings der ausgeschlossenen Destinations sind bei den jeweiligen Fluggesellschaften online einsebar.

Die Negativste zuerst. Wir müssen unsere USA-Reise unterbrechen und fliegen von Las Vegas nach Frankfurt, buchen Hin- und Rückflug für uns alle drei. Bestätigt, bezahlt, ausgedruckt. Drei Wochen vor Abflug erhalten wir einen Anruf von Condor, dass man unsere Hündin nicht nach Las Vegas transportieren könne, da der Airport alle Tiertransporte wegen Hitze untersagt hätte, offenbar herrscht das erste Mal seit Erfindung der Luftfahrt im Juli Hitze in Vegas… In Zeiten des Internets mailen wir McCarran Airport die Frage, ob diese Aussage stimme? Nein, ein Stopp dieser Art sei Airline intern. Wir proben den Zwergenaufstand und müssen zähneknirschend zunächst folgender Lösung zustimmen: Tanja wird mit Hündin Trixie nach Portland umgebucht, 1200 Meilen nördlich Las Vegas. HP fliegt alleine nach Las Vegas, um unser Wohnmobil aus dem Storage zu holen und gurkt nach Portland. Es wird uns keine Übernahme der Kosten, die uns dafür entstehen, zugesichert. Anwaltlich rät man uns jedoch dringend von einem Storno des Tickets ab, zumal wir so kurzfristig bei einer anderen Airline das Vielfache des Preises für ein One-Way-Ticket hätten aufwänden müssen. Tanja checkt am umgebuchten Abflugtag ein und wird 20 Minuten vor Boarding über Lautsprecher ans Desk gerufen. Die Info: Hunde können auf diesem Flug nicht transportiert werden, die Heizung sei ausgefallen. Also einmal zu heiß, dann zu kalt… Es folgt auschecken, Übernachtung in Frankfurt, nochmaliges Einchecken am nächsten Tag, Trixie nimmts gelassen, Tanja weniger. Der Flug klappt, in Portland sind wir wiedervereint. Einer Mit-Passagierin von Tanja ergeht es noch schlimmer. Sie könnte mit einer Army-Maschine kostenlos in die USA fliegen, die nehmen aber keine Hunde mit. Also bucht sie extra für den Hund und sich ein Condor Ticket mit Hund in der Kabine. Der winzige, federleichte Knirps fällt eindeutig in die Kategorie unter 8 kg, die unter dem Sitz fliegen darf. Stattdessen moniert man bei Condor die Größe der Tasche, der Hund müsse in eine Box als Cargo aufgegeben werden. Die Dame muss sich ad hoc eine Transportbox besorgen, checkt ein und wird dann, gemeinsam mit Tanja auf dem gebuchten Flug verweigert, eine bodenlose Schikane. Wir versuchen aktuell seit 7 Monaten von Condor unsere Unkosten für die nicht gewollte Fahrt nach Portland erstattet zu bekommen, das Ergebnis steht aus…

Die zweitschlimmste Erfahrung machen wir vier Monate früher, diesmal mit Lufthansa. Wir haben das Ticket von München nach Washington D.C. bereits seit Monaten gebucht. 24 h vor Abflug wollen wir das Gepäck anmelden und die Sitzplätze einsehen. Nichts davon geht, alle Daten sind unbekannt. Wir telefonieren und erfahren, dass der Flug komplett gestrichen wurde und wir mit American Airline 6 Stunden früher fliegen sollen. Hätte man uns per Email informiert? Ja sicher! Vorweggenommen: Nein, kein einziger Passagier wurde benachrichtigt, weshalb wir am Ende auch eine vierstellige, monetäre Entschädigung erhalten. Aber zunächst müssen wir unseren Hinflug noch retten, den Start in unsere Open End Reise! Ist der Hund umgebucht? Nein, wieso? Ist doch nur Gepäck. Wir sollen Trixie doch einfach bei AA neu buchen. Da wir aber die Kompliziertheit der Amerikaner kennen, verlangen wir, dass Lufthansa unsere Hündin umbucht. Nach vier Stunden erhalten wir den Rückruf, dass das doch nicht möglich sei, quod errat demonstrandum… Nach weiteren, stundenlangen Warteschleifen in der Leitung werden wir auf einen Flug einen Tag später Frankfurt-Washington umgebucht. Mietwagen, Motel, Bahnticket, die wir vorab besorgt hatten, verfallen wegen Kurzfristigkeit, eine Übernachtung in Frankfurt können wir glücklicherweise bei Freunden organisieren, so dass uns nicht noch mehr Kosten entstehen. Wie gesagt, diese Unkosten und einen Teil des Ticketpreises erstattet uns Lufthansa später über eine Pauschale.

Fall Nummer 3: Flug mit Condor von Frankfurt nach Las Vegas. Wir rücken mit der gleichen Transportbox und einem gleich schweren und großen Hund an wie im Vorjahr und wollen mit der gleichen Airline an den gleichen Zielflughafen, an der Transportbox hängen noch die Tags vom Vorjahr… Doch plötzlich ist die Box zu klein, wir müssten uns eine größere besorgen. Wir sprinten 1 h durchs Flughafengelände, zahlen den Aufpreis und dürfen mit letztem Hemd mit, weil wir zwar immer Zeitreserve mitbringen, die aber dann gut und gerne aufgebraucht war. Was aus der Box wird, die wir dabei hatten, ist den Ladies am Check-In schnurzpiepegal, wir können sie glücklicherweise Freunden mitgeben.

Welcher Typ sollte Ihr Hund sein?

Hunde sind genauso individuell wie ihre Besitzer, aber ein paar Basis-Tipps kann man vielleicht geben. Ideal ist ein Hund mittleren Alters, dann sind die Flausen der Jugend kein Thema mehr, man kann sich gegenseitig aufeinander verlassen. Ältere Hunde bringen hingegen all‘ die Handicaps mit, die sich auch zu Hause im Alter einstellen würden, z.B. nachlassende Sinne, öfter mal Verdauunngsprobleme und ein viel höheres Bedürfnis nach Ruhe und Regelmäßigkeit, eventuell regelmäßige Arztbesuche. Vom Alter unabhängig ist eine gute Erziehung. Marotten, die man zu Hause noch managen kann, werden im Camper zum Dauerproblem, z.B. wenn der Hund nicht alleine bleiben kann, ständig bellt oder das Mobiliar antastet. Da andere Campingreisende ebenfalls sehr gern mit Hunden unterwegs sind (Amerikaner gerne auch mit 3-5…), hilft eine gute, soziale Schule Hund und Herrchen, Scherereien aus dem Weg zu gehen.

 

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San Raffael Swell, Hambrick Bottoms Road, Castle Dale, Utah

Wandern mit Hund

„Leine oder Nicht-Leine?“ ist nicht die erste Frage, die sich Hundebesitzer beim Wandern in der nordamerikanischen Natur zu stellen haben. Die erste Frage lautet: Hund überhaupt oder gar nicht? Denn in den verschiedenen Naturschutzgebietskategorien, vor allem in den National Parks und National Monuments sind Hunde und andere Tiere erheblichen Einschränkungen unterworfen. Hier dürfen Hunde auf keinem Wanderweg mitgeführt werden, auch nicht an der Leine. Ihnen gesteht man lediglich zu, entlang von Straßen, auf Parkplätzen und Campgrounds Erdboden berühren. Offizielle Gründe für diese Restriktionen sind u.a. der Schutz der Wildtiere, die durch Hunde als Carnivoren gestört werden können. Wenn ein Hund entläuft, umso eher.  Und wenn er verwildert, erst recht. Alles schon vorgekommen. Zudem können über den Kot der Haustiere Krankheiten auf die Wildtierpopulationen übertragen werden. Inoffiziell ist sicher auch das Besucheraufkommen ein Grund, damit sich andere Visitors nicht durch die Vierbeiner gestört fühlen und die Natur ungestört genießen können.

Die Konsequenz für Ihren Liebling: Wenn Sie viele National Parks auf Ihrer Reiseliste haben, bedeutet das für Fiffy viele Stunden Wartezeit täglich im Auto. Im Sommer ein nahezu unlösbares Problem, wenn die Hitze alle plagt! Zumal man aus Sicherheitsgründen die Autofenster wohl kaum öffnen möchte, wenn man auf eine Tageswanderung startet. Glücklich ist in dieser Situation der, der ein Wohnmobil hat, denn hier kann man über die Dachluken für genügend Luftaustausch sorgen und seinem Schützling Wasser und Futter in gewohnter, schattig-kühler Umgebung anbieten. Noch glücklicher ist der, der nicht mehr in die National Parks fährt, weil er sich inzwischen abgelegeneren Zielen zuwendet. Wir fallen glücklicherweise in beide Kategorien. Dass eine gute Erziehung beim stressfreien Reisen mit Hund eine große Rolle spielt, ist selbstverständlich. Ihr felliges Wesen muss alleine bleiben können, ohne dauernd zu bellen, zu winseln oder die Inneneinrichtung eines Autos oder Campmobils in Hackschnitzel zu zerkleinern.

In Recreation Areas oder State Parks sieht man die Hunde-Frage etwas lockerer, und die Tiere sind vielfach überall erlaubt, auch auf den Wanderwegen. Allerdings „on leash“, also an der Leine. Was passiert, wenn man gegen die jeweiligen Parkregeln verstößt, entzieht sich unserer Kenntnis.

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Saline Valley, Death Valley Nationalpark, Californien

Einreisen mit Hund

Die Einreisebestimmungen für Hunde in die USA sind überschaubar. Der Vierbeiner muss einen internationalen Impfpass haben, der eine englische Version der Daten enthält. Ferner einen Erkennungschip, der heute in Deutschland bereits jedem Welpen am Hals implantiert wird. Die wichtigste Seite im Impfpass ist diejenige, in der die Tollwut-Impfungen = rabbies, eingetragen sind. Der Hund muss bis spätestens vier Wochen vor Abflug eine gültige/wirksame Impfung erhalten haben. Bei unserer Hündin wäre erst in über einem Jahr die nächste Impfung fällig gewesen. Nach Rücksprache mit dem Tierarzt ziehen wir diese jedoch vor bzw. schieben eine Zusatz-Impfung ein, um bei den Beamten keinerlei Widerstand zu provozieren. Denn mit „officials“ in den USA haben wir bei der Anmeldung unseres Autos leidvolle Erfahrungen gemacht (Band 1 „Ein Traum wird wahr“). Positiv gewertet wird auch, wenn die Tierarztbesuche im Pass abgestempelt werden und regelmäßige Kontrolluntersuchungen dokumentieren. Wir gehen deshalb vorsorglich einige Tage vor der Abreise zu unserem Tierarzt und lassen uns ein „Unbedenklichkeitsschreiben“ hinsichtlich Rasse (Kampfhundrassen werden nicht transportiert!) und Gesundheit ausstellen. Der Rest der Bestimmungen ist diffus. So darf das Tier „keine für den Menschen ansteckenden und gefährlichen Krankheiten haben“. In den einschlägigen Listen, was Hunde an Krankheiten aus fremden Ländern einschleppen können, findet Deutschland keine Erwähnung.

Der zweite Block an Do’s and Dont‘s dreht sich rund um die Transportbox. Sie muss zunächst rundum sicher verschließbar sein und genügend Lüftungsöffnungen enthalten. Das Tier muss sich in der Box drehen können und die Ohrspitzen dürfen die Box-Decke nicht berühren, wenn es steht. Es muss ein Trinkgefäß vorhanden sein, das von außen mit Wasser befüllt werden kann. Hierfür verwenden wir einen handelsüblichen, metallenen Trinknapf für Vögel, dessen Halterung man in der Gittertür der Box verschrauben kann. Das Gewicht der Box inklusive Hund ist für die Transportkosten entscheidend. Bei den meisten Gesellschaften gilt bis 20 kg Gesamtgewicht die niedrigste Tarifklasse. Über 20 kg wird es deutlich teurer und komplizierter, denn die Box wird dann nicht mehr als Gepäckstück betrachtet und behandelt, sondern als Frachtgut. Mit allen Konsequenzen wie z.B. einem vom eigenen Abflug-Terminal abweichenden Aufgabeort. Wenn Sie im Tierfachhandel eine Transportbox aus Kunststoff kaufen, entspricht diese in der Regel den Anforderungen der meisten Fluggesellschaften. Das Wohl des Hundes während des Flugs hängt von einem sicher nicht ab, dem Essen. Gesunde, gut ernährte Hunde kommen wunderbar 24 Stunden und deutlich länger ohne Mahlzeit aus. Bleibt, trotz möglichst guter Vorbereitung, das unbeeinflussbare Risiko, dass die Box als Gepäckstück nicht ins Flugzeug oder in ein falsches verladen wird. Im Internet gibt es hierzu einige Horrorgeschichten, z.B. von einem Hund, der statt in Neuseeland in Irland landete. Herrchen in Neuseeland, Hund in Irland – wie kommt man aus der Nummer wieder raus? Um dergleichen vorzubeugen, haben wir die aussagekräftigsten Dokumente kopiert und in einem Briefumschlag in eine der Staufächer der Hundebox gelegt: Flugdaten, Heimatadresse, Kopie des Impfpasses. Damit unsere Hündin immer und überall „zuzuordnen“ bleibt. Wir laminieren einen Infozettel und kleben ihn mit doppelseitigem Klebeband auf die Box: My name is Trixie. I’m a ten years old female mix. Very friendly and drawn to humans. If my flight should be delayed or anything unexpected happens, please pour some water in my drinking case. Thanks!“

Denn kritischer als alles Essen ist die Wasserzufuhr. Den Trinknapf bei Abgabe der Box zu füllen, birgt das Risiko, dass alles Nass verschüttet ist, noch bevor die Box im Gepäckraum ankommt. Ein Trick wäre, den Napf mit Eiswürfeln zu füllen, die zeitverzögert auftauen. Doch die Eiswürfel gefroren zum Flughafen zu bringen, wenn man mit dem Zug zum Flughafen reist, ist eine logistische Herausforderung, der wir uns nicht gestellt haben. Deshalb lautet die Devise, dem Hund bis zum Einstieg in die Box immer wieder Wasser anzubieten. Und häufiger als sonst kurze Spazierrunden einzulegen, damit das, was bereits in der Blase landet, gleich wieder hinaus kann.

Die Kosten für den Transport des Tieres fallen bei den Fluggesellschaften sehr unterschiedlich aus, wir bezahlen 300,- Euro für Hin- und Rückflug zusammen (Gesamtgewicht Euro-Box plus Hund < 20 kg), Direktflug von Frankfurt nach Las Vegas. Eine vertretbare Summe. Aber es bedeutet in der Regel: Höhere Kosten für die Personen-Tickets. Denn wir können uns nicht mehr den preisgünstigsten Flug mit ein oder zwei Umsteigestationen aussuchen, sondern müssen den Direktflug zum festen Preis buchen. Nur über den Zeitpunkt des Fluges sind Rabatte möglich. Dadurch wird der Flug für die zweibeinigen Reisenden in der Regel teurer.

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Las Vegas, Nevada

Mit dem Hund auf fremden Terrain

Hunden geht es auf Reisen nicht anders als uns Menschen: Alles ist neu und aufregend. Nicht vertraute Gerüche, nie zuvor gesehene Mit-Erdenbewohner vom Erdhörnchen bis zum Braunbären oder einer Klapperschlange. Hunde bringen zwar trotz Jahrtausende langer Züchtung eine erstaunliche Bandbreite an Wissen mit, was gut für sie und wo Vorsicht geboten ist. Doch am Anfang ist es für alle Beteiligten hilfreich, wenn man seinen Hund etwas mehr führt, als es zu Hause nötig wäre. Eine Warnung vor stachligen Kakteen schützt vor langwierigen Pfotenverletzungen. Zu verhindern, dass die Schnauze vor lauter Schnüffellaune bis tief unter jeden Busch eintaucht, beugt Bissen der Buschbewohner vor, zu denen Skorpione oder Schlangen zählen können. Europäische Hunde haben in der Regel keine gute Hornhaut unter den Pfoten, laufen sie doch überwiegend auf Rasen, Teppichböden oder weichen Waldwegen umher. Ein Marsch über Stock und Stein in Utah wetzt dagegen nicht nur die Klauen ab, sondern auch die Ballen. Wenn man schon bei den ersten Touren merkt, dass der Hund lahmt, ist das nicht zwingend auf mangelnde Fitness oder Gelenkprobleme zurückzuführen, sondern unter Umständen auf schmerzende Füße. So wie Mashas ihren Schlittenhunden Schuhe anziehen, kann man einen Satz Hunde-„Socken“ in der ersten Zeit ruhig erwägen.

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Hundefreundlich oder nicht?

Im Reiseland USA prallen zwei Welten aufeinander. Auf der einen Seite sind die allermeisten Amerikaner, denen man in der Natur beim Wandern begegnet, ausgesprochen tier- und hundelieb. Man geht sehr offen auf die Tiere zu, knuddelt sie, fragt aber zuvor, ob Streicheln erwünscht sei: „May I pet your puppy?“ Puppy heißt eigentlich Welpe, gilt aber bei Hunden offenbar unbegrenzt auf Lebenszeit… Auf der anderen Seite brauchen Sie nicht einmal daran zu denken, Ihren Hund in ein Restaurant, gleich welcher Kategorie, mitzunehmen. „No pets allowed“ prangt auch an allen behördlichen Gebäuden, Visitor Centern etc. Ein Hund, der allein im Auto bleiben kann, ohne Blödsinn anzustellen, ist deshalb zwingende Voraussetzung für eine USA-Tour! Ferner wird die Suche nach einem Motel, das einen Hund als Gast akzeptiert, allabendlich zur Geduldsprobe. Denn die meisten Motels schließen „pets“ aus, unabhängig vom Standard des Motels und ganz gleich, ob Ihr Vierbeiner wohl erzogen ist und nicht mehr Dreck hinterlässt als ein menschlicher Gast. Absteigen sind hier genauso rigoros wie High-End-Motels. Wenn Sie endlich ein „pet friendly motel“ gefunden haben, zahlt man für den Hund in der Regel extra, im besten Fall nur $ 10, gern aber auch das Doppelte und mehr. Im Internet gibt es nicht ohne Grund Homepages, die sich einzig mit der Listung von „pet friendly motels“ beschäftigen. Mit ihrer Hilfe kann man sich hundefreundliche Motels übers Internet im Vorfeld einer Reise heraussuchen und gezielt ansteuern.

Reisen mit älterem Hund

Menschen werden älter und Hunde auch – und sogar ziemlich ähnlich. Da ist ein natürlicher Prozess, der genauso eintritt, wenn man zu Hause mit Hund lebt, auf Reisen muss man aber einplanen, dass alles auf engerem Raum stattfindet. Unsere weiterhin sehr liebe und dezent-zurückhaltende Trixie hört fast nichts mehr, die Kommunikation findet per Handzeichen und Berührungen statt, was zur Folge hat, dass wir sie draußen inzwischen fast immer an der Leine führen müssen, obwohl sie früher immer frei mitgelaufen ist. Da die Verdauung ebenfalls altert, erbricht unsere Hündin immer öfter, auch nachts, und sie ist zunehmend inkontinent, was die Hygiene beim Reisen auf engstem Raum schwieriger macht. Die geistige Aktivität lässt spürbar nach, ebenso das Interesse an der Umwelt, Hauptaugenmerk gilt der täglichen Futterration. Wo unsere Hündin früher mit Begeisterung herumgesprungen ist, müssen wir sie heute fast aus der Wohnkabine hinauskomplimentieren, obwohl sie körperlich so fit ist, dass sie locker 20 km mit uns wandert, wenn wir sie motivieren konnten. Diese ganz natürlichen Veränderungen sollte man eingedenken, wenn man eine Langzeitreise mit einem Hund plant, der älter als 10 Jahre ist, auch wenn natürlich nichts so unterschiedlich ist wie der individuelle Charakter unserer felligen Begleiter!

Als die Welt noch in Ordnung war: Der erste Flug mit Hund

Unsere Erlebnisse rund um den ersten Flug mit Hund in die USA lesen sich wie folgt: „Nach einer Übernachtung bei Freunden piepst am Freitag, 6.9., der Handy-Wecker um 5 Uhr. Beim langen Spaziergang mit Trixie vergisst sie vor lauter Schnüffeln auf unbekanntem Terrain leider völlig, worum es in erster Linie vor dem langen, heutigen Flug geht: Stoffwechsel-Abfallprodukte absetzen. Vor Aufregung – und irgendwie aus Solidarität mit unserer Hündin – bringe ich leider keinen Bissen, nur etwas Tee, herunter. Um 6:10 Uhr stehen wir mit Sack, Pack, Box und Trixie am Terminal 1, Halle C und rollen zu den Condor-Schaltern 783-790. Wir geben uns modern und steuern einen der Computer zum Vor-Einchecken an, doch mangels verfügbaren Bindestrichs auf der Tastatur zwischen Hans und Peter findet dieser die Daten nicht. Bei meinen Daten kommen wir exakt bis zur letzten Eingabe, als wir mit dem Vermerk rausgeschmissen werden „Your data couldn’t be proceeded, please contact an agent“. Anstatt sogleich, reihen wir uns mit 10-minütiger Verspätung in die lange Schlange ein, da nur zwei Schalter besetzt sind. Wir sind aufgrund des Hundes offenbar die spannendsten Passagiere „in line“, denn jeder guckt und tuschelt. Am Check-In-Desk angekommen, geht die Dame routiniert das Thema „Hundetransport“ an. Keine Spur von „oh je, hab‘ ich noch nie gemacht“ oder „da muss ich die Kollegin fragen“. Trixie wird angewiesen, sich neben die Box zu stellen, um die adäquate Größe zu prüfen. In ihrer gewohnt demütigen Art hält sie bei dieser Anprobe den Kopf gesenkt, so dass die knapp bemessene Höhe zwar ein kurzes Zucken der Condor-Dame hervorruft, aber trotzdem ein zügiges „alles in Ordnung“ zum Endergebnis hat. Der Papierkram wird erledigt und wir werden angewiesen, um 7:30 Uhr erneut am Schalter vorstellig zu werden, damit der Sicherheitsdienst die Hundebox prüfen kann. Wir warten und erledigen die Hunde-Intensivpflege: Wassernapf anbieten, ein „Spaziergang“ nach draußen. Dann die Beruhigungstablette in Schinken einrollen, damit sie unbemerkt ihren Weg durch die Speiseröhre findet, geschafft.  Wir warten weiter. 7:30 Uhr ist längst verstrichen. Wir fragen zwei Mal nach, ob man an uns denkt: ja, ja… Wir warten. Und warten. Und als wir um 8 Uhr immer noch warten, wird der Sicherheitsdienst ein zweites Mal verständigt, der dann um 8:05 Uhr tatsächlich auftaucht. Der eher gelangweilte Herr gibt sein o.k. zur Box, und es dauert nochmal bis 8:15 Uhr, bis unser sedierter Hund endgültig abtransportiert wird. Wir sprinten umgehend im Eiltempo los, denn wir haben nur noch 50 Minuten bis zum Abflug und weder Passkontrolle noch Sicherheitskontrolle hinter uns. So spät waren wir vor einem Abflug noch nie dran! Die Schlange vor der Passkontrolle hält sich in Grenzen, die Abfertigung ist schnell. Wir spurten zu Gate C 06. Zum Glück erwartet uns keine zentrale Sicherheitskontrolle, sondern eine separate fürs einzelne Gate. Das geht im Grunde schnell. Wenn H.P. mit seiner proppenvollen Mobile-Office-Tasche inklusiver zweier Laptops, Garmin, TomTom und Kabelsalat diesmal nicht einer Komplett-Filzung in einem separaten Raum unterzogen würde… Das dauert! Danach sind wir froh, zu den letzten 10 noch fehlenden Passagieren zu gehören. Ein Mitarbeiter gibt just die Info an einen Kollegen weiter: „the ten missing passengers are complete“. Na super. Der Flug wird ein Kinderspiel. „On schedule“ in Las Vegas gelandet, verlassen wir um 21 Uhr mitteleuropäischer Zeit die Boeing 767. An dem für unseren Flug vorgesehene Gepäckband steht bereits eine Flughafen-Dame, die mir freudig entgegenruft „Oh, you expect a doggy?! They‘ ll bring it directly to you.“ Ihr Strahlen reicht von einer Wange zur anderen. Vor lauter Koffer-Alltag ist ein Lebewesen offenbar ein echtes Highlight… Die Box wird hereingerollt: Unser Schützling ist wohlauf. Aber sie wirkt müde und apathisch, die Augenlider hängen auf Halbmast, die Beruhigungstablette wirkt nach.

So glatt wird das alles ein Jahr später nicht gehen! Im Folgejahr erleben wir in Frankfurt jede Menge Schikanen beim Hundetransport (Band 5 „Zum Schluss nochmal das Beste“). Aber hier und heute fällt auch die Zollkontrolle in Las Vegas völlig harmlos aus. Ein rascher Blick in den Impfpass und schon sind wir Drei am Zöllner vorbei und zu Dritt in Amerika eingereist! Um 22:00 Uhr, also nach rund 14 Stunden, darf unser Mädchen das erste Mal die Kiste verlassen. Die Hinterläufe wollen noch nicht so recht. Doch nach ein paar Metern im Freien in der warmen Sonne Nevadas renkt sich das Laufen rasch ein und wir finden die „dog area“: „For the relief of your pet“. Zwanzig umzäunte Quadratmeter in Terminalnähe. Das nenne ich mal Flughafen-Service! Mit dem Shuttle wuchten wir alles Gepäck zur Mietwagen-Station und übernehmen bei Hertz einen schwarzen Ford Focus mit Oregon-Kennzeichen, der uns in den nächsten Tagen nach Manteca, östlich von San Francisco zu unserem im Storage eingelagerten Pickup-Camper in Manteca bringen soll.“