Freies / Wildes Camping in den USA

Übernachtungsplätze in den USA

Wir sind im eigenen RV (Recreational Vehicel) unterwegs und suchen uns fast jeden Abend einen neuen Platz zum Übernachten, am liebsten dort, wo kein anderer ist. Doch darf man denn in den USA überall campen, wo man Lust hat?

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Burr Point, Hanksville, Utah

Im Land der unbegrenzten Möglichkeiten darf man vieles, aber nicht alles. Privatgrund ist tabu, der meist mit deutlichen „No trespassing“- oder „Keep out“-Schildern gekennzeichnet ist, manchmal auch mit „Violators will be shot, fugitives will be shot twice“ (gesehen in Colorado). Auf „public land/s“, das vom Bureau of Land Management (BLM) gemanagt wird, und in den „National Forests“, den Staatsforsten, ist es erlaubt, sich beliebig zum Übernachten hinzustellen, kostenlos. National Forests sind in der Regel mit einem großen Schild „Entering XY National Forest“ und einem „Leaving XY National Forest“ entlang der Straßen gekennzeichnet. Wenn jedoch ein „no camping“-Schild den angesteuerten Fleck markiert, tritt die Ausnahme dieser Regel in Kraft. Ebenso wenig darf man neue Campsites anlegen, also bislang unberührte Flächen befahren oder gar die Vegetation entfernen: „Spots to camp are found, not made“, heißt es in einem BLM-Slogan. Für das Anzünden von Lagerfeuern gibt es wegen der Trockenheit in vielen amerikanischen Bundesstaaten Einschränkungen, die von „fires only in fire rings“ bis hin zu „no campfires – strictly enforced“ reicht, was de facto sogar bedeutet, dass man seinen Gasherd im Wohnmobil nicht anzünden darf. Sowohl BLM-Land als auch National Forests bieten zusätzlich zur Option des „wild camping“ sehr einfache Campgrounds mit geebneten Stellflächen, Sitzbänken, Pit-Toilets und Wasserhähnen an, in der Regel keine Waschräume. Diese Campingplätze („dry camping“) sind kostenpflichtig, aber sehr günstig (ca. $ 5-15), und werden i.d.R. über Self-Registration-Boards in Eigenregie über Briefumschläge bezahlt, in die man die Übernachtungsdaten einträgt, das Geld einlegt und den Umschlag in eine Pay-Station (Metallsäule) einwirft. Die Zeche prellt man in Amerika nicht! Auch wenn kein Ranger den Campground kontrolliert und kein „camphost on duty“ ist, bezahlt jeder ehrlich die Gebühr, „cheating“ ist ein no-go. Und als Nicht-Amerikaner ist es Ehrensache, dass man bezahlt, denn während sich die amerikanischen Bürger über ihre Steuerzahlungen am Unterhalt der Public Lands, Nationalparks und dem gesamten Naturschutzflächensystem kostentechnisch beteiligen, nutzen wir Reisende viele der teuren Serviceleistungen ohnehin gratis!

Abgesehen von den BLM-Ländereien und Nationalforsten, gilt in den klassischen Naturschutz-Arealen von den Nationalparks übers National Monuments bis hin zu den State Parks: „camping only in designated areas“. Also Zelte oder Wohnmobile nur an explizit ausgewiesenen Plätzen auf- oder abstellen. Diese sind zumeist in Campgrounds zusammengefasst, doch es gibt auch verstreut angelegte Varianten, „dispersed camping“ genannt. So kann man sich z. B. im Big Bend National Park für tief im Hinterland ausgewiesene Zeltplätze anmelden, zahlt eine Gebühr und übernachtet „im Herzen“ der Natur.

Die Voraussetzung dafür, dass man diese in weiten Teilen Europas völlig undenkbaren Camping-Freiheiten leben kann, ist ein autarkes RV mit genügend Wasser, Essen und Strom an Bord. Denn Strom in Form einer Steckdose gibt es ebenso wenig wie fließendes Wasser, es sei denn ein Bach oder Fluss liegt in der Nähe. Wer nicht jeden Abend über offenem Feuer grillen möchte, sollte einen Gaskocher dabei haben. Je geländegängiger Ihr Fahrzeug ist, umso freier bleiben Sie in der Wahl der Standplätze. Wohnmobile mit ihrer geringen Bodenfreiheit stoßen auf Dirt Roads rasch an ihre Grenzen – und man wird auf angelegte Campingplätze beschränkt bleiben. Wer dagegen ein Allradfahrzeug hat wie wir, genießt Freiheit pur.

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Glen Canyon National Recreation Area, Bullfrog, Colorado

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