Reise-Etappe 2020: Mexico und Corona

Covid-19 / Corona: Wie steht es in Mexiko?

Reise-Update aus unserer Sicht, Stand Anfang April

Wir sitzen inzwischen in Palenque, Chiapas, fest, vorerst voraussichtlich bis Anfang Mai. Wir konnten jedoch bis vor 4 Tagen noch völlig frei in Mexico reisen, alles hatte offen, und die mexikanischen Maßnahmen liefen sehr ruhig, unaufgeregt und langsam an. Während Guatemala und die USA ihre Grenzen schnell nach europäischem Vorbild dicht gemacht haben, blieb die mexikanische Seite noch eine Woche länger offen. Wir haben die Lage intensiv beobachtet und uns mit vielen Reisenden im Land konstant ausgetauscht, sind aber stetig mit Sightseeing weiter gefahren, zumal wir uns nach 2 Jahren außerhalb Europas und seit 3 Monaten außerhalb der USA sicher sein können, KEIN Virus-Überträger zu sein. In den stark touristischen Bundesstaaten auf Yucatan (Quintana Roo) fing es letzte Woche an, dass Bars geschlossen und Restaurants eingeschränkte Öffnungszeiten auferlegt bekamen, die kirchlichen Messen wurden eingeschränkt und in den Supermärkten Hygienemaßnahmen durchgesagt. Mehr nicht… Nächster Schritt war die Schließung von Campgrounds, was uns auch noch nicht verunsichert hat, da wir autark übernachten können. Da wir ferner bis Anfang Juli Visum und Krankenversicherung in Mexiko haben (KV gilt auch bei weltweiter Reisewarnung in dem Land weiter, in dem man sich gerade befindet, erlischt nur bei Grenzübertritt), kam für uns eine übereilte Verschiffung und Rückflug nach Deutschland nicht in Frage. Wir würden uns damit ja genau dem Ansteckungsrisiko aussetzen, das es zu vermeiden gilt: Häfen, Innenstädte, evtl. Motel/Hotel, Flughäfen, Flugzeuge… Plus die Unsicherheit, dass man überhaupt alles Nötige organisiert bekommt, wenn diese Behörde geschlossen und jene Straßen gesperrt sind und wir uns auch in Deutschland nicht frei bewegen können (Auslösung Fahrzeug in Hamburg? Transfer Flughafen-Ulm?)? Demgegenüber stehen wir hier auf dem – inzwischen ebenfalls für Neuankömmlinge geschlossenen – Hotel-Parkplatz Maya Bell in Palenque im Bundesstaat Chiapas sehr sicher und haben in kleinem Rahmen alles, was wir brauchen.

Wir haben uns die Entscheidung nicht leicht gemacht, aber gestern festgelegt, das Zeitfenster für eine sofortige Rückkehr nach Deutschland verstreichen zu lassen und ab Mai weiter zu sehen. Dabei hoffen wir inständig, dass zu Hause Familie und Freunde alle gesund bleiben und kein Notfall eintritt! Sollte sich ab Mai abzeichnen, dass eine Weiterreise möglich wäre, würden wir unsere Mexiko-Guatemala-(Costa-Rica)-Wünsche weiter verfolgen. Zeichnet es sich ab, dass die Einschränkungen – gerade für uns ausländische Reisende! – bis August anhalten werden, was von vielen inzwischen als Zeitrahmen in den Mund genommen wird, versuchen wir, im Mai/Juni nach Hause zu kommen. Condor bietet auf ihrer Homepage ab Mai wieder einen „regulären“ Flugplan an, was sich freilich noch ändern kann… Als wahrliches Luxus-Problem für uns kommt hinzu, dass wir uns ab Februar nächsten Jahres einer Reisegruppe anschließen möchten, die von der Türkei bis nach Südafrika fährt und uns hierfür angemeldet haben. Sollte diese Trans-Afrika-Tour abgesagt werden müssen, wäre es für uns falsch, unser Rolling Home nach Deutschland zu verschiffen, dann bleibt es sinnvoller auf dem hiesigen Kontinent (in Mexiko darf das Auto 10 Jahre temporär importiert werden) und wir setzen unsere Weltreise nach Südamerika fort. Ein übereiltes Verschiffen unseres Willys nach Hause kommt somit auch aus diesem Grund nicht in Frage, weil es umsonst sein könnte. Wir haben also summa summarum eine Gleichung mit rund 7 Unbekannten, mit Wenns und Vielleichts und Abhängigkeiten, die wir in keine Richtung auflösen können. Also haben wir uns fürs Abwarten entschieden, bis sich die ein oder andere Unbekannte konkretisiert. Leider natürlich auf das Risiko hin, dass genau dies weder im Mai, noch im Juni, noch im Juli erfolgen wird. Andererseits würden wir als rationale Menschen annehmen, dass man die Weltwirtschaft nicht gänzlich zugrunde richten möchte und daher baldmöglichst zu einer angemessenen Lockerung der Maßnahmen übergehen wird. Inwieweit sich die Menschen hier in Mexiko, die morgen von dem leben, was sie gestern geerntet und verkauft haben, gefallen lassen werden und überhaupt können, bleibt abzuwarten. Vor dem Ansteckungsrisiko müssen wir uns natürlich schützen und alles vermeiden, in ein Krankenhaus zu müssen, aber das sind Vorsorgemaßnahmen, die beim Reisen eigentlich täglich gelten.

Neben allen rationalen Abwägungen spielen aber natürlich Gefühle und Stimmungen eine große Rolle und da ist es schon so, dass es für uns Individualreisende und Freigeister eine sehr ungewohnte Situation ist, binnen weniger Tage festzusitzen und zum Stillstand in unserer kleinen, aber feinen Wohnkabine gezwungen zu sein: Die Reise ist plötzlich zu Ende… Wenn man die Freiheit, frei zu entscheiden, verliert, spürt man erst, wie wichtig genau dies einem ist und wie sehr wir davon verwöhnt sind, uns keinen externen Einschränkungen mehr zu beugen, seit wir das Arbeitsleben beendet haben. Jetzt gilt es, uns in Geduld zu üben und die Zeit trotzdem sinnvoll zu nutzen, indem wir unsere bisherigen Reiseerlebnisse aufarbeiten, unsere Website füllen und Dinge tun, für die beim Weiterreisen keine Zeit gewesen wäre. Wir haben hier liebe Reise-Nachbarn, mit denen wir uns gedanklich austauschen können und gemeinsam Informationen sammeln können, denn zur aktuellen Lage in Mexiko verlässliche Infos zu finden, ist tricky, hier geht alles eher von Person zu Person, Websites werden nicht oder stark zeitverzögert aktualisiert.

Nicht einschätzbar ist, ob sich die Lage hier in Mexiko in den nächsten Wochen so sehr zuspitzen wird, das Unruhen zu befürchten sind. Diese Frage ist auch sicher unterschwellig eine, die viele Reisende in Südamerika oder Afrika beunruhigt und zum Heimflug bewegt hat, denn Europa ist zumindest diesbezüglich ein sicherer Hafen. Mit unserer Entscheidung, „vorerst“ und damit „auf unbestimmt“ hier zu bleiben, gehen wir dieses Risiko ein und hoffen, dass es sich nicht einstellen wird.

Essay unserer aktuellen Etappe durch Mainland Mexico:

Mit Beginn des neuen Jahres reisen wir nach Mexiko Mainland ein und beenden damit eine Decade des Reisens in den USA mit insgesamt 1001 Tagen (kein Witz!) auf dem nordamerikanischen Kontinent, auf diverse Touren verteilt (2010-2014 im Camper, 2017-2019 im Expeditionsmobil). Unsere erste Station in Mexico bringt uns in die Sierra Madre Occidental in die Barrances del Cobre, einem Labyrinth tief eingeschnittener Kupfer / Copper Canyons. Wir machen in wenigen Tagen viel Strecke, bis wir die Küste bei Mazatlan erreichen, die wir bis Puerto Vallarta abfahren, um Strände und Pazifikküste zu erkunden. Die Überwinterungsgebiete der Monarch-Schmetterlinge Mairposas Monarcas sind ein echtes Highlight, ebenso die überwinternden Nashorn-Pelikane am Lago Chapala. In der Kolonialstadt San Miguel de Allende steht für unseren Willy ein gründlicher Werkstatt-Check nach etwas über 100,000 km an. Um Mexico City machen wir einen großen Bogen und lassen uns vom Vulkan Popocatepetl mit Ausbrüchen von Aschewolken verwöhnen. Die Grutas des Tolantongo sind ein echtes Naturwunder, wenn auch touristisch voll erschlossen. Die Küste des Bundesstaats Oaxaca gefällt uns dank einsamer Strände und Schnorchel-Möglichkeiten sehr gut, auch wenn wir leider für die Meeresschildkröten zu spät dran sind, die nur noch vereinzelt am Saisonende ihre Eier am Strand ablegen. Trotz nächtlicher Strandwanderungen sehen wir keine der gepanzerten Damen. Im Bundesstaat Chiapas warten die Flüsse mit türkisblauem Wasser, Travertin-Formationen und schönen Wasserfällen auf, der Sumidero Canyon macht so manchem Canyon in den USA Konkurrenz. Im Lacandonen-Dschungel können wir sehr nah und intensiv Spinnen- und Brüllaffen sowie Rote Aras beobachten, an der Cima de las Cotorras pfeilschnelle Grüne Sittiche. Mit Erreichen des Städtchens Palenque und seinen Maya-Ruinen stoppt unsere Reise ziemlich plötzlich, denn binnen zwei Tagen zieht sich die Schlinge der mexikanischen Maßnahmen gegen die Ausbreitung des Corona-Virus zu und wir „retten“ uns auf einen Campground, der unser Zuhause für die nächste Zeit wird (siehe oben).

Reiseroute

Bedienung

Suchen Sie Ihre Gegend aus und zoomen Sie in der Karte bis zu Strassenansicht, um unsere Route im Detail zu sehen.
Ein Klick auf das campingcar_1 Reise-Etappe 2020: Mexico und CoronaSymbol öffnet Ihnen den Link zu unserem Übernachtungsplatz mit weiteren Informationen zur Tagesetappe

Frühjahrsroute:

Zeitraum: 3. Januar 2020 bis
Strecke: 7565 km
Bundesstaaten USA: Chihuahua (9 Tage, 1493 km)
Durango (3 Tage, 605 km)
Sinaloa (2 Tage, 339 km)
Nayarit (6 Tage, 379 km)
Jalisco (4,5 Tage, 439 km)
Colima (1 Tag, 184 km)
Michoacan (11,5 Tage, 784 km)
Guanujuato (5 Tage, 182 km)
Queretaro (1 Tag, 198 km)
Hidalgo (6 Tage, 306 km)
Mexico City (4 Tage, 158 km)
Puebla (3 Tage, 417 km)
Oaxaca (16 Tage, 1125 km)
Chiapas (18 Tage, 956 km)
Highlights: Die tiefen Täler des Kupfer Canyons
Schöne Strände an der Küste von Sinaloa, Nayarit, Jalisco
Die Nashornpelikane des Lago Chapala
Millionen von Monarchfaltern in der Sierra Chingua
Die warme Höhle mit dem türkisfarbigen Fluss in den Grutas de Tolantongo
Vulkane Popocatepetl und Iztaccihuatl
Kakteen-Landschaft im Tehuacan-Cuicatlan Schutzgebiet
Einsame Strände an der Pazifikküste Oaxacas
Die indigene Stadt Chamula bei San Christobal de las casas
Top Wasserfälle in Chiapas, allen voran El Chiflon
Tierbeobachtung (Spinnenaffen, Brüllaffen, Rote Aras, …)  in Chiapas Osten, vor allem in Reforma Agraria und Palenque