Im Iveco Daily 4 x 4 durch Island 2020: Zusammenfassung

Ein Iveco Daily 4 x 4 ist das perfekte Fahrzeug für Island! Im rauen Klima und auf den Pisten im Landesinneren ist der Iveco wie zu Hause. Die im Hochland gefürchteten Furten sind dank der Bodenfreiheit und Höhe des Motors (fast) kein Thema. Kein Wasser schwappt in die Elektrik und dank der über 5 Tonnen Gewicht sind die Strömungen in den Flüssen keine Gefahr. Die Stollenreifen nehmen mit erniedrigtem Reifendruck die holprigen Pisten relativ weich, nur die Wellblech-Strecken bleiben für jedes Offroad-Fahrzeug unangenehm. Wir kämpfen die gesamte Reise mit Wind und Sturm, der Dachzelte oder Klappdächer zerstören, Bodenzelte einfach knicken und davonwehen würde. Die GFK-Kabine unseres Iveco Daily 4 x 4 schwankt dagegen nur und man kann kaum eine Tür öffnen, sie bleibt aber als unsere Rettungskapsel stets intakt. Trotz ab Oktober immer häufiger abgedrehter Wasserhähne bleiben wir mit 300 Liter Frischwasser-Reservoir autark. Nur eines wird trotz Solar-Paneelen und Lithium-Batterien in der Iveco-Kabine knapp, wenn wir nicht jeden Tag fahren: Strom. Denn die Solaranlage bringt aufgrund der nahezu permanenten Bewölkung und des sinkenden Sonnenstandes so gut wie nichts auf Island.

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Gigar Trailhead, Jökulheimar F229, Island
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Stora Fossvatn, Veidivötn Lakes, F228, Island
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Valagjavegen, Island
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F752, Island

Fazit: Traumhaft leeres Island 2020

Für Langzeitreisende wird das Jahr 2020 extrem negativ in Erinnerung bleiben mit Reise-Abbrüchen, Massen-Stornierungen und verschobenen Reisestarts. Doch für eine Island-Reise war das kurze, sommerliche Zeitfenster 2020, in dem man ohne Einschränkungen auf das Eiland einreisen durfte,  eine geniale Gelegenheit! Wir sind überglücklich, den spontanen Sprung nach Island gewagt zu haben und dürfen die wunderschöne Insel so leer erleben wie es viele Jahre zuvor nicht mehr war und künftig nicht mehr sein wird! Wir sind zeitgleich mit einer unglaublich kleinen Anzahl anderer Touristen unterwegs und fühlen uns oft als „die Einzigen“. An vielen Attraktionen sind wir gänzlich alleine, andere teilen wir uns mit wenigen und sehr angenehmen Gleichgesinnten (keine Bushorden oder Kreuzfahrt-Invasoren), die sich an einer Hand abzählen lassen. An vielen Tagen sehen wir kaum 10 Autos, die Ringstraße ist so wenig befahren, dass man sie für eine Hochland-Piste halten könnte. Die Kehrseite des Goldfundes: So gut wie alle touristischen Einrichtungen sind geschlossen. Museen & Kinos haben 2020 gar nicht erst geöffnet, Touranbieter haben resigniert, Campgrounds sind verwaist (wir suchen 14 Tage nach einer Waschmaschine mit Trockner), Restaurants & Cafés haben die Stühle dauerhaft hochgestellt. Aber das normale Leben der Isländer läuft weiter, wir können einkaufen und tanken, Thermalbäder besuchen, wenn auch mit eingeschränkten Öffnungszeiten. Diese kleinen Nachteile sind aber absolut vernachlässigbar gegenüber dem riesigen Vorteil, ein einsames, touristenarmes, ursprüngliches Island zu bereisen.

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Vatnajökul Nationalpark, Jökulheimar F229, Island

Camping im Iveco Daily 4 x 4 auf Island 2020

Vor wenigen Jahren wurde auf Island die Freizügigkeit, dass man „überall“ an geeigneten Plätzen campen darf, geändert und man muss auf Campgrounds logieren. Leider haben sich die Isländer aus Sicht des Reisenden nicht genug damit beschäftigt, wo man als Overlander campen möchte, ja warum man eigentlich nach Island fährt. Nämlich nicht, um abends mitten in einem Dorf oder einer kleinen Stadt zwischen Tankstelle und Schule zu stehen, sondern um die grandiose Natur zu inhalieren. Viele Campgrounds, an denen wir vorbeifahren, würden eher nach Italien oder Spanien passen, nur mit schlechteren Sanitärgebäuden. Auch der sonstige Service ist eher rudimentär, der im Grundsatz darin besteht, dass man sich auf eine Wiese stellen darf. Schön und gut, angesichts von Millionen Touristen in den letzten Jahren ist die Campground-Pflicht ein Mittel, um die Flut zu kanalisieren. Aber wir als Autark-Reisende möchten für einen Wiesenplatz und Null-Nutzung der Sanitäranlagen keine 24-30 Euro pro Nacht bezahlen. Da fehlt die Verhältnismäßigkeit. Zudem machen es sich manche Isländer zum Sport, Camper anzuschwärzen, die nicht auf Campgrounds stehen. Wir erleben es zwei Mal, dass wir weit außerhalb von Ortschaften und nicht auf Privatgelände stehend, rüde weggeschickt werden, nachdem genau zwei Autos an uns vorbeigefahren sind. Die Handy-Verbindungen der Isländer sind gut organisiert… Richtig sauer sind wir, als wir in Myvatn parken, um auf Nordlichter zu warten und des Campens bezichtigt werden. Wir haben nun mal einen Camper und keinen Pkw und deshalb dürfen wir nicht auf einem öffentlichen Straßenparkplatz stehen? Angesichts der Tatsache, dass vor wenigen Jahren alles noch offen war, erscheint diese strikte „Verfolgung von Straftätern“ in einem Corona-Jahr mit einer Tiefst-Zahl an Touristen schon übertrieben, auch wenn Island bestimmt unter dem Massenansturm von Touristen gelitten hat und nicht jeder die Etikette beim Wild Camping beherrscht und Müll oder Fäkalien hinterlässt… Uns gelingt es auf unserer Islandreise trotzdem, meist frei außerhalb von Campgrounds zu stehen, was ab Oktober ohnehin gar nicht anders möglich ist, weil alle zu haben!

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Hopsvatn, Siglufjardarvegur 76, Island

Persönliche Highlights Island 2020

Wir erzählen sicher nichts Neues, wenn es uns auf Island im Inselinneren, dem so genannten Hochland, am besten gefällt. Die vulkanische Herkunft des Eilands ist im Zentrum Islands so offenkundig und vegetationslos sichtbar, dass man wie durch ein Lehrbuch über „Vulkanismus“ durch Lavaströme und Vulkankrater aller Form und Farbe reist. Dazu die Weite und Leere, ein Traum! An zweiter Stelle unserer ganz persönlichen Island-Highlights stehen die Wasserfälle, die so viele Stars enthalten, dass man andernorts ganze Kontinente bemühen müsste, um eine solche Qualität und Fülle hinzubekommen. Platz drei unserer persönlichen Favoriten auf Island geht an die raue und ungebändigte Küste, ganz gleich ob im Süden Islands, in den West- oder Ostfjorden. Die dünne Besiedelung tut ihr Übriges, dass diese windumtosten, bewegten Landschaften wahre Juwelen sind. Richtig verliebt haben wir uns auf Rang Vier in die Moose auf Island. Eine solche Fülle an Moosarten in dicken Polstern und z.T. leuchtenden Grüntönen ist für uns ein Novum und entsprechend faszinierend. Platz 5 würde sicher an die Tierwelt Islands gehen, wenn wir Island zu einer frühreren Jahreszeit bereisen würden, aber im Herbst sind die großen Brutkolonien der Seevögel bereits passé, die Wale schon auf dem Weg nach Süden, dafür machen uns die wilden Rentiere die Freude, sich zu zeigen. Ein bisschen abgeschlagen auf Rang 6 sind die Thermalgebiete, die zwar so einmalig und wertvoll sind wie an den wenigen, anderen Plätzen der Welt, an denen sie vorkommen, aber die isländischen Thermalgebiete sind eher klein, nicht besonders zahlreich und es fehlen die Bakterienmatten, die Hot Springs oder Fumarolen z.B. im Yellowstone National Park, USA, so bunt färben.

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Landmannalaugar, Fjallabak Nature Reserve, Island
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Fjallabaksleid F208, Island
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Öldufellsleid F232, Island
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Fjallabaksleid Sydri F210, Island
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Hveradalir, Kerlingarfjöll, F347, Island

Wetter Island 2020

Auch wenn zehntausende Reisende vor uns ins gleiche Horn geblasen haben, müssen wir einfach etwas zum schlechten Wetter auf Island loswerden, denn es ist schlicht reisebestimmend. Am prägendsten ist der Wind, besser Sturm oder Orkan. Die Böen reißen einem die Autotür aus der Hand, bringen das stabilste Kamera-Stativ zum Wackeln und kühlen binnen Sekunden denjenigen aus, der keine sieben Lagen oder die richtige Kleidung trägt. Wir haben Sorge, zur Fähre zu kommen, als die Ringstraße # 1 nach Egilsstadir wegen 140 kmh Wind und Schneeverwehungen einen Tag vor Abfahrt gesperrt wird (schaffen es aber). Die Schafe machen‘s am besten und frieren unter ihren super dicken Woll-Pelzen nicht, wir sind ab Anfang September angezogen wie im Winter. Zwei bis drei Mal pro Woche 24 bis 48 Stunden Dauerregen steckt man als Outdoorer nicht einfach so weg, wenn man draußen mit der Kamera unterwegs sein will. Aussitzen lassen sich Regen und Sturm auch nicht jedes Mal, wie es die Isländer mit dem Spruch empfehlen „Ihnen gefällt das Wetter nicht? Dann warten sie einen Moment, bis es wechselt.“. Sonst wird aus einer Monatsreise rasch ein halbes Jahr, denn das schlechte Wetter verzieht sich weit weniger rasch als eine der sporadischen Sonnenlücken, die im Oktober nur noch kurze Intermezzos abliefern. Doch unter dicken Wolkendecken, die tagelang den Himmel verdunkeln, leuchten die Moose Islands nicht, ebensowenig die rote Herbstfärbung, am Abend entfällt der Sunset. Für uns am Bittersten während unserer Island-Reise aber ist, dass die nächtelangen Wolkengeschwader verhindern, einen Blick auf die Aurora Borealis zu werfen. In der vagen Hoffnung auf eine nächtliche Lücke stehen wir mehrfach mitten in der Nacht auf, meist vergeblich. Das frustiert! Auf die Wettervorhersage ist nur sehr bedingt Verlass, im Grunde sagt sie täglich „wechselhaft“ voraus, was keine Prognose zulässt, ob die Wolkenlücke abends, nachts oder doch erst am nächsten Nachmittag durchziehen wird. Wir ziehen als Resummee: In Island herrscht grundsätzlich schlechtes Wetter, jeder Sonnenstrahl ist ein wertvolles Geschenk und häufig mit herrlichen, lang haltenden Regenbögen kombiniert. Aber Geschenke bekommt man eben nicht allzu oft im Jahr…

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Fjallabaksleid Sydri F210, Island
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Fjallabaksleid F208, Island

Nordlicht Island 2020

Ganz offen gesagt: Vergessen Sie die Nordlicht-Vorhersagen für Island (z.B. www.vedur.is). Die Trefferquote liegt bei 50 %. Wenn Schaf Merlin morgens am Hang knabbert, wird KP 2 eingetragen, zupft Maike nachmittags Seetang wird KP 5 vorhergesagt. So oder so ähnlich scheinen die Basisdaten für den Aurora-Forecast zu sein, denn wir erleben in Nächten mit angeblichem KP 1 intensive Nordlichter über unseren Köpfen, die sich von Ost nach West erstrecken, und in Nächten mit angeblichem KP 5 ein müdes Glimmen als fragmentarischer Bogen flach überm Horzizont. Nordlichter sind schwer zu kalkulieren. Wir sehen uns im Oktober sogar mit Null-Nordlicht-Nächten konfrontiert, in anderen sinkt die Aktivität nach anfänglichem Aufflackern binnen einer Stunde auf Null und startet nicht mehr durch. Die Kombination aus zu vielen wolkenverhangenen Nächten und stark schwankenden KP-Werten macht Island zu keiner Top-Aurora-Location (zwischen zwei guten Nächten vergehen bei uns ganze drei Wochen!). Vielleicht zu sehr verwöhnt von unseren intensiven Nordlicht-Erlebnissen in Yellowknife, Canada, die in ihrer Vorhersage sehr präzise und intensiv waren, ist Island in Sachen Aurora eher eine Enttäuschung, auch wenn es uns mit Hartnäckigkeit über den Zeitraum von drei Monaten ein paar lichtstarke Aufnahmen gelingen. An der Südküste Islands sind die Nordlichter eher zu schwach, an der Nordküste ist man nahe genug am Polarkreis, dass die Chancen steigen. Aber im Grunde reicht Island nicht weit genug nach Norden, um das Aurora-Oval genau zu treffen.

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Selvik, Djupvegur 61, Isafjardardjup, Island
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Solheimajökull, Skogar, 1, Island
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Dettifossvegur 862, Island

Thermal Areas & Hot Springs

Wer sich die Vulkaninsel Island so vorstellt, dass eine Hot Spring neben der anderen liegt und die Fumarolen und Schlammtöpfe reihenweise die Besucher erfreuen, liegt falsch. Die Thermalgebiete auf Island liegen weit verstreut innerhalb des vulkanisch aktiven Gürtels Islands und die erreichbaren Hochtemperaturgebiete sind an einer Hand abzählbar (Namaskard, Hveravellir, Gunnuhver, Austurengjahver). Die Niedrigtemperaturgebiete mit den bebadbaren Hot Springs sind rar gesät und oft zu kühl (unter 36 °C), Ausnahme bilden die Quellgebiete in den Westfjorden, wo sie geballt und wohl temperiert (um 40 °C) auftreten. Leider scheinen die Millionenscharen an Touristen, die in den letzten Jahren Island überrollt haben, während die touristische Infrastruktur noch im Aufbau begriffen war, viel Schaden angerichtet zu haben. Viele Privatbesitzer, auf deren Land Hot Pots liegen, haben Ketten vorgelegt und den Zutritt untersagt. An den noch öffentlich zugänglichen Hot Pots prangen Schilder, dass man nicht pinkeln und kacken soll… Wenn man auf solche Basis-Benimmregeln hinweisen muss, kann man erahnen, wie manche Menschen an diesen Natur-Kleinoden hausen. Schade, aber weltweit leider das gleiche Bild. Fazit ist, dass uns so manche Badeentspannung verwehrt bleibt, uns aber auch etliche Hot Springs Badevergnügen an der frischen Luft und ohne Chlor in klarem Quellwasser ermöglichen.

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Landmannalaugar, Fjallabak Nature Reserve, Island
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Grindavik, Reykjanes, Island
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F752, Island
bernachtungsplatz-Gigar-Trailhead-Jökulheimar-F229-Island-2 Im Iveco Daily 4 x 4 durch Island 2020: Zusammenfassung
Myvatn, Reykjahlid, Island
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Hveradalir, Kerlingarfjöll, F347, Island

Wasserfälle Island 2020

Es sind einfach zu viele! Zu viele Wasserfälle, um sie als erst- und einmaliger Tourist alle zu besuchen oder zu dokumentieren. Und damit sind nur diejenigen gemeint, die man von irgendeiner Straße oder Piste aus per Wanderung erreichen kann, von den Unzähligen, die in den unerschlossenen Gegenden Islands liegen, ganz zu schweigen. Deshalb muss man sich auf die Highlights beschränken, die touristisch aufbereitet sind, wie Gullfoss, Godafoss, Haifoss, Hraunfoss und wie sie alle heißen. Und zusätzlich ein paar auf eigene Faust erkunden, in denen man etwas Charakteristisches entdeckt, die sie von der Masse unterscheiden. Auf jeden Fall sind auf Island alle Wasserfall-Typen vertreten, die man sich denken kann. Solche, die ins Meer fallen, in Seen, von Gletschern herab oder einfach im Boden verschwinden. Breite und schlanke, wasserreiche und dünne, malerische und gewaltige. Der Grundtenor ist „Schwarz-Weiß“: weißes Wasser, das über schwarze Lave fließt. Flankiert von immergrünem Moos, bunten Herbststräuchern oder blühenden Lupinen oder Wildblumen im Frühjahr.

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Sprengisandur F26, Island
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Haafossavegur F332, Island
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Sprengisandur F26, Island

Siedlungen Island 2020

Wenn man im dicht besiedelten Europa aufgewachsen ist, ploppen vor dem inneren Auge Bilder auf, wenn von „Flughafen“, „Hafen“ oder „Stadt“ die Rede ist. Riesige Areale mit einem Gewusel an Verkehr, Hektik und Lärm. Wenn man in Island außerhalb Reykjaviks von „flugvöllur“ spricht, meint man eine abgelegene Wiese, die mit orangefarbenen Bojen markiert ist, die das Meer von einem verloren gegangenen Netz angespült hat. In den Häfen liegen eine Handvoll kleiner Kähne und Städte sind von einem Ende zum anderen überschaubar. Die Dimensionen und Maßstäblichkeiten sind völlig andere, die Insel so dünn besiedelt, dass man schon direkt froh ist, mal wieder einen Bauernhof zu sehen. Erstaunlich sind die Holzkirchen, die offenbar in früheren Jahrzehnten Status-Symbole der Gehöfte waren. Wer es sich leisten konnte, baute eine, egal wie weit abgelegen und egal, ob jemals mehr als fünf Familien zum Gottesdienst anreisen können.

Isländer 2020

Pauschalurteile sind immer falsch und nur Stichproben, trotzdem unser Eindruck: Wir werden mit den Isländern nicht warm – und sie nicht mit uns Individual-Touristen. Vielleicht zu sehr verwöhnt von den USA und Canada, wo man uns Reisende sehr offen willkommen heißt und sehr oft anspricht, wechselt in Island keiner ein Wort freiwillig mit uns, nicht mal in den Hot Springs, die sonst ein Quell‘ für ungezwungene Kommunikation sind. Es mag sein, dass die Reserviertheit covid-bedingt ist und in anderen Jahren anders ist. Touristen sind sicher gern gesehen als zahlende Gäste in Pensionen, Hotels und auf Campgrounds. Aber das Interesse erstreckt sich nicht auf das Warum, Wohin und Wohlbefinden des Reisenden. Wir erleben es, dass wir bei geöffneter Motorhaube (zur harmlosen Reinigung des Luftfilters) am Straßenrand stehen und zwei Autos ohne Halt an uns vorbeifahren. In Nordamerika ein no-go, da hätte jeder gehalten und zumindest oberflächlich gefragt, ob er helfen könne. Covid-bedingt sind im verrückten 2020 etliche touristische Einrichtungen auf Island geschlossen. Den vollen Preis zahlt man trotzdem, auch wenn man noch nicht einmal Zutritt zu Duschräumen oder Toiletten hat: „X and Y are closed, please pay here“. Das zeigt ein bisschen die Grundhaltung den T(err)ouristen gegenüber. Manches mag der Angst vor einer Covid-Ansteckung durch uns Fremde geschuldet sein und wir einen verzerrten Eindruck gewonnen haben – und natürlich können positive Einzelerlebnisse eine Gesamtmeinung sehr stark drehen -, aber wir können uns des Eindrucks nicht erweheren, die Isländer hätten ihre wunderschöne Insel eigentlich lieber (wieder) für sich alleine.