Northern Lights / Aurora Borealis / Nordlichter: Erfahrungsbericht & Foto-Tipps

Wir sind komplette Neulinge in Sachen Aurora, aber gerade deshalb könnten unsere Erfahrungen der letzten beiden Wochen im Nordosten Canadas für andere Reisende vielleicht interessant sein, die ebenfalls zum ersten Mal mit dem Thema konfrontiert werden. Wir lernen in den wenigen Tagen Folgendes:

Wolkenloser Himmel

Ein klarer Himmel ist das A & O bei der Nordlicht-Beobachtung. Denn mit Wolken geht quasi nichts. Während man Wasserfälle, Canyons, Arches oder Wildlife auch bei Regenwetter erleben kann, geht mit den Nordlichtern kaum etwas, auch wenn eine dünne Wolkendecke diffus grünlich angeleuchtet wird. Die Aurora schimmert zwar durch die Wolken hindurch, was eine Kamera gerade noch abbilden kann, das Auge aber kaum wahrnimmt. Vergessen Sie also alle KP-Werte und Aktivitätsvorhersagen, sondern checken Sie vor allem die Wettervorhersagen!

11-Jahres-Zyklus der Sonne

Im Vorfeld unserer Recherchen sind wir enttäuscht, mit 2019 genau ein Jahr der Sonnenaktivität mit „solar minimum“, also der geringsten Aktivität überhaupt, zu erwischen. Denn wenig Sonnenaktivität bedeutet wenig Sonnenwind, wenig Partikel und ergo wenig Aurora. Für das enge Zeitfenster, das wir zwischen Watson Lake und Yellowknife zur Aurora-Beoabachtung Ende August/Anfang September auf unserer Reise zur Verfügung haben, können wir jedoch sagen: Wenig Aktivität 2019? Mitnichten! In manchen Nächten ist der ganze Himmel erleuchtet und mehrere Bursts mit intensiven, wandernden Northern Lights ziehen durch, sogar mit Rot-Anteilen im Lichtspektrum. Ergo: Für Einsteiger wie uns reicht die solar activity auch in einem schwachen Jahr wie 2919 und 2020 mehr als aus. Erst wenn man schon viele Northern Lights gesehen hat oder man plant, ein Fotobuch über die Aurora zu füllen, steigen die Ansprüche vermutlich so, dass sie ein Solar-Minimum-Jahr nicht zu erfüllen vermag.

KP-Index

Hier gilt ähnliches wie für Punkt 2. Wir rufen, wann immer wir ins Internet können, die Aurora Forecasts ab, bevorzugt die der University in Fairbanks, was in den weitgehend unbesiedelten Northern Territories eher selten möglich ist. Dafür muss man sich um „light pollution“ durch Städte, Straßen oder Industrie so gut wie keine Gedanken machen. Wir können eine Nacht mit einem vorhergesagten, hohen KP-Wert von 6 erleben und eine Nacht mit einer sehr niedrigen KP-Prognose von 1-2. Beide sind gleich, letztere sogar intensiver, was daran liegt, dass wir zu diesem Zeitpunkt geographisch weiter im Norden stehen. Unsere Vermutung: Je nördlicher man sich vom Breitengrad her und je besser im Zentrum des Aurora-Ovals man sich befindet, umso unwichtiger sind die KP-Werte. Diese werden erst entscheidend, wenn man mit einem südlicher gelegenen Standort vorlieb nehmen muss oder einem, der am Rand des Ovals liegt, das das Nordlicht um den Pol beschreibt. Auf dem 62. Breitengrad in Yellowknife ist man hingegen gut platziert, die Aurora passiert „überall“, über unseren Köpfen, am nördlichen Horizont genauso wie am südlichen. Man fühlt sich mitten drin.

Himmels- und Blickrichtung

Nordlichter bilden sich nicht nur im Norden. Wir erleben intensive Bänder, die sich über unseren Köpfen von West nach Ost ziehen, andere tauchen im Süden auf und wandern wohin sie wollen. Je schwächer eine Aurora ausfällt, umso eher findet sie mit Blickrichtung Norden statt, aber je intensiver sie flackert, umso eher breitet sie sich in alle Richtungen aus. Ergo ist es zwar keine schlechte Idee, sich eine Lichtung oder einen See für die Beobachtung auszugucken, die einen offenen Blick nach Norden ermöglicht, noch besser aber ist ein Platz mit 360 ° Rundumblick. Ein Pluspunkt sind ruhige Seen mit spiegelglatter Oberfläche, da sich in ihnen die Nordlichter als grüne Fläche oder sogar in ihrer Wellen- oder Bandform spiegeln.

Zeitpunkt

Während unserer am Ende gerade mal zehn Aurora-Erfahrungen ist die Aktivität zwischen Beginn der Dunkelheit (akutell: 23 Uhr) und 1 Uhr am größten. In mehreren Fällen flaut sie danach auf ein kaum mehr sichtbares Minimum ab, nur in zwei Fällen hält sie auch danach an bzw. flammt ab 3 Uhr nochmal auf. Daher ist nicht nur Geduld, sondern auch Ausharren im Dunkeln bei kühlen Temperaturen angesagt.

Aurora-Fotos

Für unsere Qualitätswünsche klappt das Fotografieren der Aurora Borealis mit folgendem Rezept schon ganz gut: Wir belichten zwischen 3 und 20 Sekunden bei einem Isowert zwischen 1000 und 1600, selten 2000, je nach Helligkeit der Nordlichter. Auf Stativ und mit Selbstauslöser, nicht mit Fernauslöser. Der hohe Isowert ist möglich, da die Nikon D 850 einen Sensor mit run 45 Megapixel verbaut hat, so dass sich die Körnigkeit der Aufnahmen in Grenzen hält. Schwierig einzufangen sind die Phasen mit hoher Aktivität, in der die Lichter flackern und wandern. Hier wären kurze Verschlusszeiten nötig, um die Bewegung einzufrieren. Bei längeren Belichtungszeiten überlagern sich die Bewegungen und verschwimmen zu einem „Lichtklumpen“.

Mondphasen

Man liest häufig, dass der Vollmond ein entscheidender Faktor bei der Aurora-Beobachtung sei und stören könne. Fürs Auge schwächt sein Licht die Intensität der wahrnehmbaren Nordlichter ab, für die Kamera ist der Unterschied hingegen gering. Sie bildet die Northern Lights auch im Mondlicht ab. Der große Vorteil ! des Mondes liegt vielmehr für die Fotografie darin, dass er die Umgebung beleuchtet und aufhellt. Bäume, Wasseroberflächen oder Personen werden nicht nur schwarz abgebildet wie in Nächten ohne Mondlicht, sondern erhalten etwas Farbe. Aufgrund der hohen Iso-Werte werden die deutlich helleren Landschaftselemente zwar „grisselig“, aber man sieht mehr vom Gesamtsetting. Deshalb haben uns die Vollmond-Nächte besonders gut gefallen!

8-Aurora-Borealis-Ingraham-Trail-Yellowknife-Northwest-Territories-95 Northern Lights / Aurora Borealis / Nordlichter: Erfahrungsbericht & Foto-Tipps
Ingraham Trail, Yellowknife, Northwest Territories
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Ingraham Trail, Yellowknife, Northwest Territories
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Great Slave Lake, Hay River, Northwest Territories
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Tibbitt Lake, Ingraham Trail, Yellowknife, Northwest Territories
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Tibbitt Lake, Ingraham Trail, Yellowknife, Northwest Territories
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Ingraham Trail, Yellowknife, Northwest Territories
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Ingraham Trail, Yellowknife, Northwest Territories
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Twin Falls Gorge Territorial Park, Mackenzie Highway, Northwest Territories

Links zu unseren Aurora-Beiträgen:

Aurora Borealis / Nordlichter / Northern Lights Teil # 1 – Der Einstieg

Aurora Borealis / Nordlichter / Northern Lights Teil # 2 – Gigantische Licht-Feuer am Ingraham Trail [Yellowknife]

Aurora Borealis / Nordlichter / Northern Lights Teil # 3 – Im Licht des Vollmonds [Yellowknife Highway]

Links zu Reise-pdf’s:

beitrag_aurora#6_tibbittlakel
beitrag_aurora#7_ingrahamtrail
beitrag_aurora#8_ingrahamtrail
beitrag_aurora#11_louisealexandrafalls

beitrag_aurora#12_greatslavelake