Fahrzeuge: Individuelle Lösungen

Die Bandbreite an Fahrzeugen, mit denen Abenteuerlustige um die Welt reisen, ist nahezu unerschöpflich. Die einen tun es mit einem klassischen Wohnmobil oder ausgebauten Kastenwagen, die anderen mit einem kompakten Landcruiser oder tonnenschweren Lkw. Wir sind mit einem Mix aus alledem unterwegs, einer fest verbauten (aber separt gelagerten) Wohnkabine auf dem Chassis eines geländegängigen Iveco Daily 4 x 4. Wer mit einem solchen Gefährt liebäugelt, dem hilft die folgende Liste unserer Ausstattungsmerkmale vielleicht, sein künftiges Weltreisemobil selbst zu entwerfen. Zwischenfazit: Wir sind aktuell mit unserem Willy ausgesprochen und sehr zufrieden!

Ausstattung Kabine

Außenmaße unseres Willy:
Breite 210 cm
Länge 630 cm
Höhe 360 cm

Ausstattung außen:
Ersatzradhalter hinten
Druckluftkompressor
3-Punkt Aufbaulagerung ist auf dem verwindungselastischen Fahrzeugrahmen
zwei Sandbleche
Manuelle Eingangstreppe ohne Tiefeinstieg (da Eingang durch Nasszelle)
Durchgang zum Fahrerhaus mit abschließbarer Tür, verbunden durch flexible Schlauchkonstruktion

Tanks:
Dieselzusatztank 150 l
Frischwassertank 300 l
Abwassertank Unterflur 80 l

Heizung:
Dieselheizung 6 KW Kombigerät zur Warmwasserbereitung mit Höhenkitt

Strom:
Solaranlage 330 Watt Leistung mit 3 Panels á 110 wp, parallel geschaltet
Bordbatterie AGM 12V 220Ah, Platz und Steuerung für eine weitere Batterie
Sinus Wechselrichter 230V/1200Watt

Fenster:
3 KCT-Fenster 120×50 cm über Sitzgruppe, 1 KCT Fenster 92×50 über Küche, 1 KCT Dachhaube im Alkoven jeweils mit Verdunklungsrollo und Insektenschutzrollo
Eingangstüre mit festverglastem Fenster ohne Rollo, z.B. KCT Bullauge
Türverrieglung  durch Drei-Punkt-Verriegelung mit PZ-Schloss

Schlafalkoven:
140 (160) x 200 cm Latexmatratze mit Froli System

Sitzgruppe:
U-Sitzgruppe ca. 140 x 200 cm und Tisch ca. 82 x 82 cm (zum Bett umbaubar)
umlaufende Hängeschränke über Sitzgruppe und Küche

Küche:
Gasbackofen und 3-Flammenherd
möglichst tiefe Spüle mit möglichst hohem Haushaltswasserhahn
Höhe Arbeitsfläche ca. 102 cm
Kühlschrank 130-140 l
Kühlbox ca. 30 Liter

Nasszelle:
Kombinierte Nasszelle mit ca. 195 cm Höhe als Durchgang in Kabine
Tür zwischen Nasszelle und Innenbereich zur Außentür hin zu klappen, damit sie in der offenen Position das WC und die Duscharmatur verschließt
Dusche im Boden versenkt mit zwei Abflüssen (einer zum Abwassertank, einer offen durch Kabinenboden ins Freie), mit Holzrost
Kassettentoilette mit SOG System
Duschbrause warm/kalt über Toilette montiert
Badschrank über Toilette

Unser Entscheidungsprozess

Anbei eine sehr ausführliche Beschreibung (Achtung: langatmig…) über die gedanklichen Prozesse, die wir bei der Wahl des Fahrzeugs und seiner Ausstattung „durchgemacht“ haben.

„Am Donnerstag, 8. Juni 2015, kommen wir um 9:30 Uhr in der Vicinity von Bad Kissingen an, zeitgleich mit allen anderen! Stehen an der Ampel, warten auf den Transferbus, stellen uns in die Ticket-Schlange, um 10:30 Uhr starten wir die Runde auf dem Outdoor-Messegelände. Auf der ich prompt in einen Stand mit den Toyota Landcruisern, kurz „Buschtaxis“ hineingerate und obendrein in die Fänge eines redelustigen Schweizers. Am Ende überlegen wir ernsthaft, ob ein Buschtaxi mit Hubzeltdach zum Schlafen und mit Minimalausstattung an – äußerst robust gebauten –  Schränken nicht eine gute Lösung wäre? Zumal sich auch weitere Personen kritisch gegenüber unserem Favoriten Iveco Daily 4 x 4 äußern: anfälliger Motor, keine Reperaturmöglichkeiten, schlechte Ersatzteillage – und überhaupt natürlich das Konstrukt aus Kabine-auf-Iveco: viel zu groß, viel zu schwer, viel zu hoch! Passt in keinen Schiffscontainer, Roll-on gefährlich, weil Fahrzeuge beschädigt werden und sie Salzwasser ausgesetzt sind. Und so weiter und so weiter. Im Bus kommen wir mit Messebesuchern ins Gespräch, die mit einer Kabine von O… liebäugeln – zum Selbstausbau. Da wir uns in den letzten Wochen schon wieder viel tiefer als wir je vorgehabt haben, in die Thematik eingearbeitet haben und von Wechselrichtern, Waeco-Ladeboostern, Schwallwänden in Frischwassertanks, Wasserfiltern von Seagull, Kühlschränken von Fissmann, Solaranlagen, Correan-Arbeitsplatten und Kassettentoiletten mit SOG-System (fast) so viel wissen, wie die Ausbauer, wäre das doch eine Alternative….? Aber erst geht’s mal weiter: Angebot einholen: Bocklet, Woelke, Alpha-Cab etc. Hier können wir uns lange mit Klaus Vierkotten unterhalten, dem Autor des just gelesenen Buches „Panamericana südwärts“, in einer in ihren Möglichkeiten maximal ausgereizten Kabine auf HRZ 79 von Alpha-Cab. Ergebnis: Viele Denkansätze, unter anderem, sich die Entscheidung nicht zu kompliziert zu machen (dabei hat K. Vierkotten vor dem Bau ein Modell seiner künftigen Kabine angefertigt, um sie besser zu visualisieren…). Aber wir horchen bei dem Rat natürlich auf, denn Akribie und Über-Planung sind unsere bekannten Schwachstellen.

Die Rückfahrt enthält entsprechend viel Gesprächsstoff, bis wir um 23:30 Uhr zu Hause ankommen. Freitag und Samstag schwelen die Abwägungen, was denn nun das vermeintlich „Beste“ für uns sei. Hin und her, rum und rauf, rein und raus. Am Samstag sind wir so weit, die große Iveco-Kabine zu kippen – und uns einem Toyota Landcruiser mit Kabine zu widmen. Also nicht das Mini-Buschtaxi und nicht der Riesen-Aufbau, die goldene Mitte eben. Dafür kommt Bimobil erneut ins Spiel, da sich deren Kabinen samt und sonders als die wohnlichsten und gemütlichsten herausgestellt haben, auch im Messevergleich, auch und vor allem bei den Pickup-Kabinen. Wir drehen uns im Kreis, Ringelreigen.

Der Ausweg: Wir machen eine Prioritätenliste. Was ist uns am Wichtigsten, was verzichtba? Wir eruieren die Prioritäten-Reihenfolge:
1. Autarkie
2. Reparierbarkeit
3. Geländegängigkeit
3. Wohnlichkeit
4. Preis

Die Umsetzung, die daraus folgt: entweder Toyota-Kabine oder Mercedes Sprinter mit Igelhaut/Achleitner/Oberaigner-4×4 Ausbau. Aber ist der Toyo nicht viel zu klein, weil kleiner als unser Lance in den USA. Wie funktioniert der Umbau zum 4 x 4 bei Mercedes logistisch überhaupt? Hundert neue Fragen. Bis wir kleinlaut in Erwägung ziehen: Fahren wir morgen nochmal nach Bad Kissingen? Denn alle Infos auf einem Fleck bekommen wir so schnell nicht wieder… Wir stellen den Wecker auf 5:30 Uhr und wollen die Nacht darüber schlafen. Aber natürlich fahren wir am Sonntag los. Und sind diesmal schon um kurz nach 9 Uhr in Bad Kissingen, um ohne jedwede Hürde auf dem Messegelände anzukommen. Die Infos bei Igelhaut und Oberaigner sind als Erstes eingeholt. Entweder 4 oder 12 Wochen Wartezeit, Auto muss ab Werk bestimmte Vorkriterien erfüllen (Code-Nummern), alles ist machbar, alles natürlich super. Kostenpunkt: nach Umbau gleich mit Iveco ab Werk. Was als Positivum sticht, ist das dichte Werkstättennetz von Mercedes, die weltweite Verfügbarkeit von Ersatzteilen, die gute Qualität mit höherer Kilometerleistung etc. Wir gehen zu Bimobil und „wohnen Probe“ in den Kabinen. Fazit: Wir kommen mit der Toyoto-Klein-Kabine zurecht. Gut, wir trippeln kleine Schrittchen vorwärts. Und machen schlussendlich einen großen Satz ZURÜCK an den Anfang unserer Überlegungen! Schlüssig und wiederholend, was wir von Anderen im Internet mehrfach gelesen haben, wertet ein Anbieter, dass der Iveco Daily das beste Allradfahrzeug derzeit ist. Mercedes kommt da mit aller Umbauerei längst nicht heran, was die Geländegängigkeit betrifft. Und das mit dem Reparaturnetz sei auch so eine Sache, denn die 4 x 4 – Umbauten werden von Mercedes nicht mitgehostet. Man fährt quasi eine Chimäre, einen Diener zweier Herren. Was in der Werkstatt zu sehr unangenehmen Komplikationen führen könne. Zudem seien die Mercedes-Modelle, die z.B. in Nordamerika fahren, ganz andere Modelle. Somit seien die Ersatzteile für die europäischen Modelle mitnichten vorrätig. Zur Kabine schlussfolgert er aufgrund unserer Wünsche, dass es zwar alles schön und gut sei, dass man sich im Platz beschränke. Aber die Zuladung sei das eigentliche Problem. Man kann nur 300 kg mitnehmen, um im Belastungsbereich des HZJ zu bleiben. Natürlich lassen sich 500 kg und mehr in der Kabine verstauen, aber dann fährt man permanent überlastet und Reparaturen lassen nicht lange auf sich warten. Beim Daily hat man 800 kg, sogar bis zu einer Tonne Zuladung – und das schon bei üppiger Grundausstattung mit 200 Liter Trinkwasser, 160 Liter Zusatz-Dieseltank etc.

Ergo: Wir landen wieder genau an dem Punkt, an dem wir vor dem ersten Besuch in Bad Kissingen waren! Es soll ein Iveco Daily 4 x 4 mit großer Kabine sein. Der anstrengende Umweg hat sich dennoch gelohnt, denn umso intensiver haben wir  das Für und Wider hinterfragt, müssen uns nicht nachher vorwerfen „Das hättet Ihr Euch ja vorher überlegen können…“, falls am Ende etwas nicht zur Zufriedenheit läuft. Die weitere Zeit nutzen wir für Details (Wasserfilter, Solarzellen, Kühlboxen) und fürs Hineinspazieren in einige der Mega-MAN-Modelle, um ein Gefühl für das Innendesign zu bekommen. Fazit: Inhaltlich passt in die Dicken auch nicht mehr hinein als Bett, Tisch, Küche und Bad, und das nur geringfügig größer als in kleineren Kabinen, der AHA-Effekt bleibt aus. Zum Schluss besuchen wir Herrn Köllmayer von Exploryx, von dem uns bereits ein Angebot vorliegt, und sprechen über ein paar Details. Danach trollen wir uns, völlig erledigt von all‘ den auf uns einströmenden Informationen.

Was zuvor geschah:  Seitdem wir 2014 aus den USA zurück sind, blättern wir die Kataloge der ausgebauten Kastenwagen durch, die wir auf der Caravan-Messe in Düsseldorf gesammelt haben. Und damit öffnen wir die Büchse der Pandorra. Dem Internet sei Dank, können wir jede fixe Idee gleich verfolgen. Wir vergucken uns in den Fuso von Mitsubishi, ein LkW, der überall auf der Welt zu tausenden im Einsatz ist und jüngst in die Mercedes-Familie eingegliedert wurde.

Erster, konkreter Akt aber ist der Besuch bei Alpha-Cab eines schönen Donnerstags im April mit gemischtem Ergebnis. Zweiter Akt: Besuch bei Woelcke, vor allem, weil er verschiedene Fuso-Kabinen im Portfolio hat. Es sind leider nur Kabinen im Teilausbau vor Ort, keine einzige fertige. Deshalb wird auch hier hauptsächlich über das Chassis diskutiert. Nicht diskutabel ist die Lieferzeit: 2 Jahre. Wir vertiefen das Thema nicht weiter. Dritter Akt: Besuch bei Bimobil. Eindruck: große Firma, fast riesig, viele Musterautos. Der Fuso verliert bei uns an Popularität, Iveco gewinnt, Mercedes wird weiter kritisch beäugt. Am Ende werden wir eingeladen, in zwei Wochen beim Probefahren in der Kiesgrube teilzunehmen. Das Angebot nehmen wir an, obwohl wir eigentlich so mitten in der Haupt-Geschäftssaison zeitlich sehr angespannt sind. Der Iveco Daily 4 x 4 geht als absoluter Sieger aus dem Regentag im Matsch hervor! Mercedes ist der Looser, da zwei Autos versenkt werden und herausgezogen werden müssen. Da der finnische Kunde, dessen Iveco-Modell wir als Muster begutachten können. In den nächsten Tagen investieren wir jede freie Minute zu Hause in die Planung der Kabine, des Grundrisses und der konkreten Ausstattung. Mit der daraus resultierenden Aufstellung bitten wir um ein Angebot von Bimobil. Das kommt 10 Werktage später mit einem dicken Fehler (auf den Bruttopreis ist doppelt die Mehrwertsteuer draufgerechnet) und vielen kleinen. Schade, die Beratung bisher war top. Das korrigierte Angebot kommt einige Tage darauf. Fazit: Sobald man vom Grundmodell abweicht, ist der attraktive Standardpreis rasch deutlich überschritten.

Jede freie Minute nutzt HP zum Recherchieren im Internet. Ich tue mich da mitten in der Hauptsaison schwerer – und nehme daher abends meist nur die Zusammenfassung auf. Zwei Iveco-Fahrer, die derzeit in Afrika unterwegs sind, melden sich per Email und tragen Antworten zu unseren Fragen bei. Über Reiseberichte, Blogs etc. kommen jede Menge Denkansätze zusammen, was man alles ins Kalkül ziehen könnte, auf was man achten sollte etc. Alle sagen unisono: Gefährt muss so niedrig wie möglich sein. Damit steht der Alkoven zur Disposition, der uns bei Bimobil jedoch so ausnehmend gut gefällt, weil Sitzbereich, Küche, Staumöglichkeiten etc. um Potenzen größer werden, wenn man die große Bettfläche aus dem Grundriss „heraus“ hat. Aber jeder rät einem von 3,60 m Fahrzeughöhe ab. HP zweifelt und zweifelt. Bei einer der Kommunikationsrunden taucht der Tipp auf, doch mal Exploryx in Isny zu kontaktieren, eine gute Stunde von hier gelegen. HP ruft an und bekommt spontan am übernächsten Tag (Mittwoch) einen Termin, weil ein anderer Kunde abgesagt hat. Wunderbar, wir fahren vor allem deshalb hin, um die Frage „Alkoven ja oder nein“ zu klären. Herr Köllmayer ist kompetent, fasst alles sehr umfassend und schnell auf, wir sind positiv angetan. Die Betriebsräume sind ordentlich und bieten uns die Möglichkeit, in die im Bau befindliche Iveco-Kabine eines Bayern hineinzuschauen. Sehr schöner Grundriss. Alkoven! HP fasst den Entschluss: Alkoven ist um so vieles besser von Innen, dass man die Nachteile außen akzeptieren kann/muss. Ich war sowieso für den Alkoven, weil die Kabine in jedem, auch kleineren Fall, riesig ist und bestimmte Straßen und Wege für uns ohnehin nicht passierbar sein werden. Nicht mit und nicht ohne Alkoven. Deshalb macht für mich die Beschränkung auf eine Kabine mit Verschiebe-Bett keinen Sinn. Wir modifizieren die Musterkabine etwas und bitten Exploryx, uns ein Angebot zu schicken. Das trifft zwei Tage später ein, mit Grundriss-Vorschlag für uns. Perfekt und korrekt!

Am nächsten, zur Verfügung stehenden Sonntag brüten wir über dem Grundriss. Die Idee, den Eingangsbereich als Dusche zu nutzen, bringt den Durchbruch. So wird die Kabine optimal! Großes Staufach innen für Fahrräder und viel mehr. Hecksitzgruppe. Lange Küchenfläche. Zusätzlicher Backofen. Schränke in ausreichender Zahl (ich finde: knapp, HP findet: üppig). Wir zeichnen und erstellen Listen, schicken sie an Exploryx, ob ein Grundriss in dieser Form überhaupt möglich sei? Es kommt zwei Tage später die Antwort: ja, geht alles. Wunderbar: Wir brauchen einen Termin. Bekommen wir, am Donnerstag Nachmittag um 16 Uhr. Herr Köllmayer hat unseren Vorschlag bereits am PC gezeichnet und einen Ausdruck geplottet. Perfekt! Bis 20 Uhr brüten wir gemeinsam über dem Grundriss und modifizieren einiges. Das neue Angebot kommt am Montag vor Bad Kissingen. Wir gucken es sogleich durch und stellen drei klitzekleine Fragen, aber die gehen in den Messevorbereitungen unter. Kein Problem, dafür haben wir Verständnis. Und dann folgt unser Messe-Abenteuer (siehe oben).

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