Kauf eines amerikanischen Wohnmobils

Wir kaufen ein Wohnmobil (truck camper) in den USA

Vielleicht trägt sich der ein oder andere mit dem Gedanken, sich in Amerika ein Wohnmobil zu kaufen und zu nutzen, anstatt ein deutsches Wohnmobil in die USA zu verschiffen. Welche Erfahrungen wir mit diesem Modell gemacht haben, erfahren Sie in den folgenden Kapiteln.

Binnen vier Tagen entscheiden wir uns 2010 nach einigen Probefahrten (Ford, GMC, Chevrolet) für einen zwei Jahre alten, weißen Dodge Ram 2500 mit 376 PS, Cummins-Diesel-Motor und rund 35.000 Meilen auf dem Tacho, den wir vom Triple A (AAA), dem amerikanischen Pendant zum ADAC, in Denver erwerben. Eine gute Fahrtstunde südwestlich von Denver, in „the big town of“ Poncha Springs, suchen wir uns eine Wohnkabine der Marke Lance aus. Sie wird auf der Ladefläche des Dodge montiert, lässt sich aber jederzeit auf vier ausfahrbaren Stützen abstellen. Die Kabine ist so geformt, dass die Unterseite zwischen die Radkästen passt, Bad und Einstieg über die hintere Stoßstange herabhängen und ein Alkoven über der Fahrerkabine schwebt. Beides können wir durch Vermittlung des AAA problemlos bei einer amerikanischen Versicherung (Progressive) versichern, die Ausländer (foreigners) als Kunden akzeptieren. Nach einem Vormittag mit Umbauarbeiten sind wir am fünften Tag fahrbereit und ausgestattet mit einem provisorischen Nummernschild, das uns zwei Monate Zeit gibt, bis wir uns im hoch gelegenen Ort Frisco westlich von Denver, in den Skigebieten der Rocky Mountains, final anmelden müssen, um eine vollwertige „license plate“ zu erhalten. Hört sich einfach an, wird aber in unserem Fall zu einer Odyssee, die uns viele Nerven, Umwege und Scherereien kosten wird. Am Ende vieler Kämpfe, Rückschläge und Umwege gelingt es, unser lieb gewonnenes Gefährt doch noch anzumelden und fünf Jahre lang zu behalten, zu versichern und in den USA zu fahren, wo immer uns unsere Neugier hinführt.

Odyssee der Überweisungen

Als es darum geht, das frisch erworbene Auto und die Wohnkabine zu bezahlen, machen wir unsere Erfahrung mit dem Amerikanischen Bankensystem. Bereits Jahre zuvor haben wir in Kalifornien ein Konto eröffnet, um es auf Reisen vor Ort einfacher zu haben. Wir wählen bewusst die größte und weltweit agierende US-Bank aus: die Bank of America. Ergo gehen wir davon aus, in Denver in eine Filiale gehen und die Rechnungen begleichen zu können, ob per Überweisung, Scheck oder Barabhebung. Falsch gedacht, völlig falsch. Erstmals stutzig werden wir am Morgen, als die Internet-Recherche für „Bank of America in Colorado „zero results“ ausspuckt: null Treffer. Wohl ein Fehler auf der Homepage. Doch in Canyon City ist keine BOA zu sehen. Wir fragen in einer Filiale der Konkurrenz nach (Wells Fargo Bank). Zwei überaus höfliche Damen suchen im Internet für uns zwei Adressen heraus, eine in Colorado Springs, eine in Denver – mehr gibt auch ihre Recherche nicht her. Wir steuern diejenige in Colorado Springs an. Merkwürdig, kein Schild, nur ein gemischter Bürokomplex. Aber bei genauerem Hinsehen gibt es ein kleines Schild „Bank of America – Home Loans“. Mit der Entschuldigung „Wir sind hier sicher falsch, aber vielleicht können Sie uns trotzdem weiterhelfen?“ spazieren wir hinein. Und erfahren, dass es im ganzen Bundesstaat Colorade keine Kundenfiliale von BOA gibt! Das darf ja wohl nicht wahr sein, da nimmt man die größte Bank, um in einem der drei amerikanischen Bundesstaaten zu landen, die keine Niederlassungen haben. Jetzt ist guter Rat teuer, denn die etwas größeren Summen für Auto und Camper können wir ja nicht mal eben am ATM-Schalter (Geldautomaten) abheben oder mit einem Standard-Scheck überweisen. Yenna, die nette Empfangsdame, bietet uns an, zu telefonieren, um herauszufinden, was man tun könne. Sie fängt mit der Filiale in Kalifornien an. Allein die Durchwahlen sind schon eine Wissenschaft für sich und wir sind heilfroh, dass Yenna den Anfang übernimmt. Ich legitimiere mich dann leidlich, um nach fünf Minuten aus Kalifornien die Antwort zu erhalten „there is no possibility to transfer the money to Denver“. Na hervorragend. Yenna hat noch eine Karte im Ärmel und telefoniert, um eine Überweisung direkt auf die Konten unserer Händler (AAA + RV Dealer) per Telefon anzuweisen. So was geht anscheinend. Dazu brauchen wir die Kontodaten (wire instructions). Haben wir! Yenna telefoniert wieder mit ihrer Hotline von BoA, um zu erfahren, dass das Überweisen nun doch nicht ginge, weil uns einige Legitimationen fehlten. Das ginge nur per Internet. Wir atmen ein weiteres Mal tiiieeef durch und verlieren weder die Geduld noch die Nerven. Denn das Online-Banking scheidet aus, da wir zwar unser Pin haben, aber die Übermittlung einer Tan-Nummer auf unser Handy Probleme macht: Unsere Telefonnummer mit deutscher Vorwahl 0049 wird von der Website nicht akzeptiert. Inzwischen hat sich auch Yenna festgebissen. Die nächste Odyssee durch die Überweisungsprozeduren der BoA-Homepage folgt. Kurz gefasst, sind wir am Ende nur erfolgreich, weil wir uns mit Yennas Handy-Nummer und ihrer Email-Adresse einloggen. Nach gut einer weiteren Stunde (insgesamt waren es gut drei) hat H.P. Yennas Laptop endlich so weit: Beide Überweisungen sind geschafft. Bestätigungsausdrucke werden gemacht und wir haben wieder die leise Hoffnung, unser Gefährt in Empfang nehmen zu können. Denn ohne Zahlungsnachweis wäre das wohl schwer möglich. Um Yenna, die bestimmt 28 Kreuze macht, als wir „crazy germans“ endlich gehen, unsere Dankbarkeit zu vermitteln, übergeben wir ihr alle Duft-Kerzen, die eigentlich für den morgigen Besuch bei unserer Freundin Tama in Frisco vorgesehen waren, inklusive vieler verbaler Dankesbekundungen. Was bleibt, ist ein Online-Zugang auf unser Konto, der aktuell nicht mehr auf H.P.s Kennung lautet, sondern auf Yenna‘s. Hoffentlich ist sie ehrlich.

In Farmington suchen wir später eine BoA-Filiale auf, um unsere Zugangsdaten auf H.P.s Namen zurückzusetzen. Bereits nach wenigen Minuten Wartezeit nimmt uns Maria in Empfang und versteht unsere Probleme sofort. Aber da könne sie leider auch nicht helfen, „I’m so sorry‘, wir könnten diese Telefonnummer anrufen. Auf keinen Fall! Nicht, dass wir nicht telefonieren könnten, wir sind des Amerikanischen inzwischen so mächtig, dass wir uns auch fachlich anspruchsvollere Kommunikationen zutrauen. Aber schon die Einwahl ist in den USA ein Graus. Man landet irgendwo, gerät an einen ausschließlich spanisch Sprechenden, fliegt aus der Leitung etc. Maria hat ein Einsehen mit uns und telefoniert selbst: gut 40 Minuten lang!!! Danach kommen wir wieder mit unseren normalen Kennworten über die BoA-Homepage in unseren Account. Und H.P.’s Kreditkarte wird freigeschaltet. Die Fehlermeldung mit der Pin ist nämlich gar keine, sagt man uns, sondern die Bank sperrt Karten, die an auffällig unterschiedlichen Stellen eingesetzt werden. In unserem Fall tatsächlich verdächtig: Wir rufen mit einer kalifornischen Karte ein Jahr lang gar nichts ab und versuchen es dann in Denver. Ein typisches Zeichen für einen Kartenraub. H.P. muss kurz persönlich mit der Bankdame am anderen Ende der Leitung reden und dann versucht er es am ATM-Automaten um die Ecke. Es funktioniert, mit der alten Pin! Wir bedanken uns herzlich und fahren zu McDonalds gegenüber, um alles zu prüfen. Es klappt: Wir können unseren Account einsehen – und die Summe stimmt.

Post und Anmeldung mit Hindernissen

Als es Zeit wird, unser Fahrzeug final anzumelden, bitten wir den Verkäufer bei AAA in Denver, den Fahrzeugbrief, „title“ genannt, per Post nach Frisco zu unserem Kontakt Tama zu schicken. Nach einer Woche ist der „title“ leider immer noch nicht in Frisco angekommen. Verzweiflung macht sich breit! Der USPS (United States Postal Service) steht unserem deutschen Postunternehmen offenbar in nichts nach. Wir betreiben zu Hause ein Versandunternehmen und wissen, wovon wir in Sachen Zuverlässigkeit sprechen. Schließlich geben wir die Hoffnung auf, dass die Postsendung mit unseren Fahrzeugpapieren in den nächsten Tagen in Frisco oder Denver auftauchen wird. Stattdessen erkundigen wir uns bei der zuständigen Behörde DMV (Department of Motor Vehicles), wie eine Verlängerung unserer „temporary licence“, also des vorläufigen, handgeschriebenen Nummernschilds, genau ablaufen würde. Diesen Tipp hatte uns unser Verkäufer vom AAA in Denver telefonisch gegeben, wenn aufgrund des verschollenen „titles“ derzeit keine finale Anmeldung möglich sei. Jetzt geraten wir erst recht in die Mühlen staatlicher Stellen! Vorab: Jeder, vom AAA=ADAC bis hin zu Bekannten und intensiver Recherche im Internet hat uns im Vorfeld grünes Licht gegeben, dass die Anmeldung eines Autos für einen Deutschen mit Führerschein und amerikanischer Adresse kein Problem sei. Aber wir erleben es anders. Seit etlichen Jahren gibt es für ein dreimonatiges Einreisevisum in die USA (Visa Waver) das Verfahren ESTA, inklusive einer anfänglichen Übergangszeit, in der man entweder ESTA online vor der Abreise buchen kann, oder weiterhin im Flugzeug den grünen Zettel ausfüllt. Heute gibt es Letzteren nicht mehr. Wir geben uns fortschrittlich und reisen mit ESTA ein, erhalten am Flughafen einen ordentlichen Einreisestempel. Alles o.k.. Deshalb antworten wir auf die Frage der DMV-Dame „What’s your status?“ schlicht und einfach: „ESTA“. Stellen Sie sich unserer Verwunderung vor, als wir als Reaktion darauf die Frage gestellt bekommen: „What’s that?“ Die Damen in Frisco kennen ESTA nicht. Und sie lassen es sich auch nicht erklären… Wir geben unser Bestes, legen die Fakten dar, zeigen unsere Dokumente her. Nichts zu machen, ESTA kenne man nicht und deshalb gelte es auch nicht, man wolle ein I-94. Wir machen an etlichen, weiteren Stellen die Erfahrung, dass außerhalb des Flughafens kein Amerikaner je etwas von ESTA gehört hat?! Stattdessen verlangt man von uns für die Verlängerung der „registration“ ein I-94. Da wir nicht glauben wollen, dass damit der inzwischen ungültige „grüne Zettel“ gemeint sein kann, wenden wir uns an eine Polizeistation. Der diensthabende, weibliche Officer schüttelt den Kopf und meint, der DMV könne ganz schön umständlich sein. Aber die Dame gibt sich alle Mühe, uns zu helfen, und telefoniert mit dem Flughafen, ob wir das I-94 nachträglich am Flughafen bekommen würden. Das Telefonat dauert 30 Minuten. Ergebnis: Ja. Da wir zu diesem Zeitpunkt keine andere Lösung sehen, fahren wir tatsächlich von Frisco nach Denver zum Flughafen, quälen uns ohne Boarding Pass durch die kniffeligen Sicherheitsvorschriften bis zum Zoll und bekommen ein I-94W, also ein Dokument mit dem Buchstaben W als Zusatz. Wir fragen den Beamten höflich, ob er denn die ESTA-Fakten netterweise mit dem DMV telefonisch klären könnte, da man uns nicht glaube? Nein, auf keinen Fall. Er werde doch nicht mit dem DMV verhandeln, die hätten schon ganz andere bis aufs Blut geärgert. Wir nehmen es zur Kenntnis. Von ihm erfahren wir auch, dass das reine I-94 (also ohne den Buchstabenzusatz „W“) ein richtiges Visum ist, das wir zuvor in Deutschland hätten beantragen müssen. Für eine jährliche Aufenthaltsdauer von weniger als 90 Tagen ist ein solches für deutsche Staatsbürger aber nicht erforderlich und nach unseren Vorrecherchen auch nicht für die Anmeldung eines Autos!!! Waren die Infos alle falsch? Brauchen wir ein B1/B2-Visum, das uns den Aufenthalt für 6 Monate in den USA gewährt, um ein Auto auf unseren Namen anzumelden? Oder sind wir mit Colorado nur an einen Bundesstaat mit Sonderregelungen geraten? Denn die diversen Bundesstaaten in den USA haben bekanntlich unterschiedliche Gesetze. Wir wissen es bis heute nicht, erhalten von den Angestellten Colorados keine plausible Antwort und auch aus den Zetteln, die man uns in die Hand drückt, lässt sich keine eindeutige Handlungsanweisung ablesen. Unsere Verzweiflung ist uns offenbar anzusehen, als wir ratlos zur Lagebesprechung gegen unseren Dodge lehnen, von dem nicht klar ist, ob wir ihn behalten dürfen. Ein älterer Herr spricht uns an, ob alles o.k. sei. Hilfsbereit sind die Amerikaner wirklich (zumindest oberflächlich). Leider nein, geben wir zur ehrlichen Antwort. Ach, das sollten wir nicht persönlich nehmen, antwortet uns der Senior, „the DMV-people aren’t the best educated and one should not expect too much brain potential. Das haben wir doch heute schon öfters gehört?

Das alles kostet uns viele Nerven und Tage Zeit. Bis wir eine andere Strategie ersinnen. Damit keiner mehr in unsere Pässe schaut, in die ein „WT“ gestempelt ist  und ein I-94 mit oder ohne W liegt, bitten wir unsere Freundin Tama, unser Auto per Vollmacht auf unsere Namen anzumelden. Das ist, wie wir herausfinden, mit einer beurkundeten Vollmacht möglich. Diese stellt die örtliche Bank aus, bei der Tama Kundin ist. Wir schaffen es mit viel Müh‘ und Not, auf dem DMV-Office, inklusive eines Fax vom AAA in Denver, eine Verlängerung unserer „temporary licence“ bis Ende Dezember zu erhalten (die jetzige läuft Ende November aus). Jetzt bewährt sich, dass wir unser Auto beim Triple A gekauft haben. Die Herren stehen uns telefonisch und auch mit einem persönlichen Beratungsgespräch vor Ort zur Seite. Ihre Meinung: Es habe noch nie Probleme gegeben, wenn Deutsche ein Auto anmelden wollten. Gut, dann sind wir jetzt die ersten…. Nach etlichen verlorenen Tagen, und den Zweifeln, ob wir die Dummen sind oder alles nur irgendwie dumm läuft, verlassen wir die Denver-Area und fahren mit unserem Reiseprogramm fort, bis die Papiere irgendwann auftauchen sollten.

Auf Umwegen zur Anmeldung

Nach den obigen Erfahrungen zum „status“ ersinnen wir eine Alternative. Wenn unsere Freundin Tama uns anmeldet, umgehen wir die Notwendigkeit, einen Pass herzuzeigen. Dazu müssen wir Tama authorisieren, was bei der örtlichen Bank geht. Wir gehen gemeinsam in die Bankfiliale und können problemlos ein spezielles Authorisierungsformular des DMV aus dem Internet ausfüllen, unterschreiben und abstempeln lassen. Doch wie in diesem Fall so oft, kommt es ganz anders: Tama teilt uns mit, dass die DMV-Sachbearbeiterin (Department of Motor Vehicles) die Autorisierung abgelehnt habe, da auf der Vollmacht Tamas Geburtsname fehle! Den hatte der „Notar“ der Bank vergessen und uns war es nicht aufgefallen. Zudem müssten bei uns als Vollmachtserteiler die Zweitnamen eingetragen sein. Sollen wir jetzt lachen oder weinen? Natürlich ist auch uns bekannt, dass in Dokumenten die Angaben mit denen im Reisepass oder Personalausweis identisch sein müssen. Aber mal ehrlich, haben Sie wichtige Dokumente wie Notarverträge oder Arbeitsverträge jemals mit Ihren sämtlichen Vor- und Zunamen und Ihrem Geburtsnamen unterschrieben? Die spinnen doch, die Amerikaner! Aber es hilft alles nichts, wir müssen die Bürokratie bewältigen, wenn wir ans Ziel kommen wollen. Wir diskutieren, was nun zu tun ist: Doch selbst anmelden und nach Denver fliegen? Mit Mietwagen vom Phoenix-Airport nach Frisco fahren und zurück? Sicher ist: Mit Camper machen wir diese Strecke nicht.  Keine 2400 km, nicht nochmal Frost und Schneerisiko in den Rocky Mountains… Die Lösung bahnt sich am übernächsten Tag an (siehe gleich). Learned today: Gut, dass wir nur ein Auto in Amerika anmelden möchten und kein Haus kaufen oder gar eine Firmenfiliale gründen möchten. Die Bürokratie würde uns umbringen!

Wir suchen Adressen von Bank of America Filialen in Mesa heraus. In der ersten Filiale sagt man uns, der Attorney, also der Signaturberechtigte, sei erst am Nachmittag da. Die nächste Filiale sei aber ganz nah und die hätten auch einen Attorney. Stimmt, aber der ist bis mindestens Freitag krank. In der dritten Filiale klappt es. Wir warten eine Viertelstunde, bis wir drankommen. Wir sind über die geistigen Fähigkeiten der Dame entsetzt. Sie bekommt kaum mit, um was es geht, wie wir heißen oder dass es um Frisco in Colorado, nicht um San Francisco geht… Wir füllen also das Dokument selbst akribisch aus, damit ja alle Eingaben korrekt sind. Am Ende halten wir ein Dokument mit Unterschrift und Stempel der Bank in der Hand. Da uns die Dame sagt, dass in Amerika Kopien genauso gelten wie Originale, erhalten wir, trotz mehrfacher Bitte, keine zwei Originale, sondern nur eine Kopie. Selbige fotografieren wir und senden Tama das .jpg per Mail zu. Zeitgleich fahren wir zum nahegelegenen USPS, um die Original-Dokumente bangen Herzens nach Frisco zu schicken. Werden sie je ankommen? Per Express-Mail wird uns eine Zustellung bis morgen 12 Uhr zugesichert. Und: Der Brief bekommt eine Trackingnummer, ist also verfolgbar. Das Ganze kostet knapp $ 20. Zusätzlich fragen wir, ob es die Möglichkeit gebe, postlagernd Briefe zu erhalten. Ja, die gibt es! Nennt sich „general delivery“. Die namentlich adressierte Post wird 30 Tage lang in der Filiale aufbewahrt und kann gegen ID abgeholt werden. Das wäre dann auch geklärt, falls Tama uns etwas zurückschicken möchte, z. B. die Nummernschilder…?

Bei der Suche nach einem Storage erfahren wir so ganz nebenbei, dass es keine Storage-Versicherung gibt, die ein Auto während der Lagerzeit im Stile einer Hausratsversicherung abdeckt. Stattdessen muss man die normale Kraftfahrzeugversicherung behalten. Wir hatten gehofft, dass man bei den Storages eine separate Diebstahl- und Vandalismusversicherung abschließen könne. Melden wir also das Auto während der Zeit im Storage ganz ab, um Kosten zu sparen? Wir fragen beim AAA in Mesa nach. Die Dame schockt uns gleich wieder. Wenn wir die Autoversicherung kündigen, müssen wir das dem DMV melden und nächstes Jahr das Auto neu anmelden. No go! Nach DEM ganzen Theater, das wir aktuell erleben, werden wir jegliche An- und Ummeldung auf das absolute Minimum reduzieren. Aber damit nicht genug: In Arizona werden nur Wagen versichert, die in Arizona angemeldet sind. Wenn wir also für Phoenix eine Versicherung wollen, müssen wir das Fahrzeug auf eine Adresse in Arizona ummelden. Tama’s Adresse in Colorado gilt nicht. Eine andere haben wir nicht… Einzige Lösung: Wir können unsere Autoversicherung während der Standzeit auf ein Minimum reduzieren. Das werden wir in den nächsten Jahren denn auch tun: Jedes Jahr bei unserer Heimkehr senken wir die Versicherung auf das „state minimum“, im Moment des Reisestarts erhöhen wir sie auf das nötige Maß. Dadurch sparen wir zwar ein paar Hundert Euro, haben aber trotzdem Grundkosten, die weiterlaufen. Learned today: Den klimatisch optimalen Ort, sein RV einzulagern, gibt es in den USA nicht. Entweder ist die Region zu kalt oder zu heiß oder zu feucht oder zu trocken oder Wirbelsturm gefährdet. Vermutlich bräuchte man eine geschlossene, beheizbare Garage…

Endlich geschafft

Nach fünf bangen Wochen löst sich endlich der Knoten der Autoanmeldung. Im USPS-Office zeigen wir für die „general delivery“ unsere Ausweise vor und der Herr verschwindet nach hinten. Er sucht, und sucht, und sucht… Uns wird flau in der Magengegend. Doch dann kommt er nach 5 Minuten mit einem mittelgroßen Umschlag zurück. Absender: Tama Hirsh. Inhalt: Zwei „registration plates“. Es ist vollbracht! Tama mailt uns, dass es jedoch nicht einfach war. Sie musste mit harten Bandagen kämpfen und ins Feld führen, dass ihr Mann einen hohen Posten bei der Stadtverwaltung in Frisco innehat, bevor sich die DMV-Dame, die Tama als „mean“ tituliert, zur Akzeptanz der Unterlagen breitschlagen ließ. Und ich müsse vermutlich noch eine All-in-One-Bestätigung nachliefern, dass Tanja Anke Ratsch und Tanja Ratsch dieselbe Person ist. Die spinnen doch komplett, die Amerikaner…

 

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