Truck Camper

Ein typisch amerikanisches Wohnmobil

Unsere „Karriere“ als Langzeitreisende beginnt 2010 mit fünf Dreimonatsreisen durch den Westen der USA bis 2014. 2010 erwerben wir im Bundesstaat Colorado einen Truck der Marke Dodge Ram 2500 mit kurzer Ladefläche (short bed) und Kabine (crew cab). Dazu eine Wohnkabine, Marke Lance 630, die auf der Ladefläche mitfährt und jederzeit auf vier Stelzfüßen abgestellt werden kann. Der Truck wird damit zum geländegängigen Kraftpaket. Die Amerikaner nennen diesen Typ RV (recreational vehicle) kurz „camper“.

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San Isabel National Forest, Colorado

Viel Platz auf wenig Raum

In unserem Lance-Camper lernen wir, was uns im Alltag beim Reisen wirklich wichtig ist – und mit wie wenig man tatsächlich auskommt. Die Wohnkabine bietet viel Platz zum Schlafen (Queensize) und eine gute Küche mit großem Kühlschrank. Aber der Stauraum in den wenigen Schränken ist begrenzt, für große Gegenstände gibt es gar keine Unterbringungsmöglichkeit, das Bad ist sehr eng und ständig feucht. Diese Erfahrungen sind eine wertvolle Basis für die spätere Planung unseres Wohnexpeditionsmobils Willy, Iveco 4 x 4 ab 2014.

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Alamogordo, New Mexico

Robustes Kraftpaket

Während sich die Wohnkabine im Laufe der Nutzungsdauer als „Weißware“ entpuppt, in der sich die Innentemperatur nach einer Stunde an die Außentemperatur anpasst, lernen wir den Dodge richtiggehend schätzen. Die Karosse ist robust, zuverlässig und kraftvoll, bringt uns durch sandige Passagen ebenso wie über Steinplatten dank passabler Bodenfreiheit. Auch beim Verkauf 2014 erfreut uns der Dodge mit sehr geringem Wertverlust bei ca. 80.000 km Laufleistung, während die Lance-Kabine mit 60 % Wertverlust zu Buche schlägt.

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HITTR, Grand Staircase Escalante National Monument, Escalante, Utah

Kurz-Version: Fazit

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Lance Wohnkabine

Die Reisen mit unserem amerikanischen Camper sind intensiv und ereignisreich, ein ewiger Schatz in unserem Leben. Aber wir verfallen dem klassischen Fehler, in zu kurzer Zeit zu viel auf einmal zu wollen.

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Lance Wohnkabine

Wir sind jeden Tag an einem anderen Ort, wandern in zwölf Wochen über 500 km und haben nicht die Muse, die ruhigen Seiten des Reisen zu genießen, denn zu viele Natursehenswürdigkeiten stehen auf unserer Wunschliste. Ein Grund mehr, es in Zukunft besser zu machen!

Lang-Version Fazit: Das perfekte Wohnmobil für uns?

Wir möchten einen Blick zurückwerfen auf die Gründe, warum wir uns ausgerechnet für einen Pickup-Camper und nicht für ein anderes Wohnmobil entschieden haben. Als ursprünglich mit Mietwagen und Zelt Reisende (selten Motels), kommen wir aus einem Minimum an Komfort. Da erscheint der Luxus eines amerikanischen Motorhomes „class A to C“, was einem Mega-Wohnmobil europäischen Maßstabes entspricht, auf den ersten Blick verlockend. Doch schon auf den zweiten Blick sind Größe, Spritverbrauch und Kosten beim Reisen, so wie wir es lieben, hinderlich. Mir möchten raus in die Natur, abgelegene Landschaften erkunden, Tiere beobachten, wandern, menschenleere Weite genießen. Dazu braucht man kein „rollende Appartement mit Vollausstattung“, sondern ein Minimal-Mobiliar: Tisch, Sitz, Herd, Spüle, Kühlschrank, Bett, Nasszelle, fertig. Nur einen Luxus setzen wir als „has to be“ auf die Liste: Das Bett muss stationär sein, damit uns ein allmorgendliches und allabendliches Ab- und Umbauen erspart bleibt. Dafür reicht, in amerikanischen Maßstäben betrachtet, ein wirkliche „kleines“ Recreational Vehicle. Zumal wir ohne Kinder zu zweit unterwegs sind.

Noch wichtiger für uns ist die Qualität des fahrbaren Untersatzes. Wir brauchen ein Auto, das für die Dirt Roads Nordamerikas geeignet ist, aber keineswegs extrem geländegängig sein muss wie ein Jeep. Alle klassischen Wohnmobile purzeln allein schon beim Namen Dirt Road umgehend aus der Wunschliste. Sie haben kein Allrad, keine Bodenfreiheit fürs Gelände. Hinzu kommen: schlechte Rangierbarkeit, Geschepper und Geklapper und das Risiko von Schäden an der gesamten Inneneinrichtung, die auf erschütterungsfreie Teerstraßen ausgelegt ist. Nach amerikanischer Rechnung ist ein Verbrauch von 25 bis 30 Liter pro 100 Kilometer „normal“, für uns nicht. Vor vielen Jahren, 2006, probieren wir ein klassisches Mietmobil von Cruise America aus. Wir bekommen einen 32-Feeter, also ein 9,70 m langes Ungetüm. Unsere Bedenken werden auf ganzer Länge bestätigt. Wir setzen schon bei den Einfahrten zum Wal-Mart-Supercenter auf, wenn diese zur Entwässerung V-förmig vertieft sind. Etliche geteerte Straßen sind unpassierbar, da Verkehrsschilder die Durchfahrt für Fahrzeuge „over 23 feet“ verbieten. Jede falsche Abzweigung bringt H.P. zum Schwitzen und mich zum Aussteigen, damit beim Rückwärtsfahren angesichts der kastenförmigen, nicht einsehbaren Karosse nichts aneckt. Der Spritverbrauch sprengt schier unsere Urlaubskasse! Und was hinzukommt: Die Innenausstattung ist, gelinde gesagt, ineffizient. Der Platz ist schlecht genutzt, die Schränke sind nicht unterteilt, so dass alles wild durcheinander rutscht. Schon beim Anblick der Sofakissen ächzen die Bandscheiben. Aber das schlimmste: Es zieht wie Hechtsuppe in der Wohnkabine, denn die Schiebefenster sind so dicht wie ein zerschossenes Einfachglas aus dem Zweiten Weltkrieg. Nach diesem Probe-Durchlauf, der eher einem Einlauf glich, steht fest: Mit einem Miet-Wohnmobil können wir im Winter nicht drei Monate unterwegs sein.

Kommt ein Wohnwagen in Frage? Ja, vielleicht, wenn wir unsere Reisen sternförmig ausrichten könnten. Soll heißen: Man müsste den Wohnwagen für ein paar Tage platzieren können, die Umgebung mit der Zugmaschine allein erkunden, erst dann den Wohnwagen anhängen und weiterfahren bis zur nächsten „Basisstation“. Für rastlose Reisende wie uns ist das jedoch kaum praktizierbar, denn bislang verbringen wir nahezu jeden Abend an einem anderen Ort, die sich wie Perlen auf einer Schnur reihen. Von sternförmig keine Spur. Wir brauchen also eine „All-in-one“-Lösung, ein Fahrzeug mit Wohnkabine, die ständig mit dabei ist. Und die wendig, kompakt und obendrein spritsparend ist!

Folgerichtig landen wir bei einem geländegängigen Fahrzeug, einem Dodge Ram 2500. Und einer kompakten Wohnkabine, die auf der Ladefläche mitfährt, aber jederzeit abgestellt werden kann, damit die Allrad-Qualitäten des Chassis voll zur Geltung kommen. Warum mieten wir so eine Unit nicht. Als dieser Punkt für uns Thema wird, gibt es so etwas in den USA nicht zu mieten! Später erfahren wir, dass es in Kanada Vermieter dieser Art gibt. Und vielleicht hat sich auch in den USA mit Juicy Car und anderen Newcomern auf dem amerikanischen Markt etwas getan. Aber für uns bot sich keine Möglichkeit der Anmietung. Und selbst wenn, wäre fraglich geblieben, ob sich der Mietpreis für fünf mal drei Monate gerechnet hätte? Zumal der Dirt-Road-Einsatz von Mietwagen gleich welcher Art vertraglich untersagt ist beziehungsweise „only driving on pavement“ vorgeschrieben ist.

 

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