Wie fühlt es sich an, nach 2 Jahren wieder in Deutschland zu sein?

Zurück in Deutschland nach zwei Jahren Reisezeit

Update Juni 2020:

Wie fühlt sich die Rückkehr nach Hause an? Komisch. Aber sehr sympathisch. Wir bekommen mehrere Willkommensnachrichten, in denen sich die Absender schon mal prophylaktisch für ihre unfreundlichen, deutschen Landsleute entschuldigen. Dabei sind alle durch die Bank super nett! Wir treffen auf keinen einzigen Grisgram, schauen nur in zuvorkommend lächelnde Gesichter und haben sympathische Stimmen am Telefon. Vielleicht bewirkt gerade der schlechte Ruf, der uns Germanen offenbar voraneilt, dass wir umso netter sind. Was uns noch aufgefallen ist:

1. Wichtigkeiten: Auf einer langen Reise hat man Zeit, in sich selbst hinein zu horchen und sich selbst besser kennen zu lernen. Wieder zu Hause merkt man, was einem wirklich gefehlt hat und auf was man auch für die Zukunft gut und gerne verzichten kann. Prioritäten verschieben sich, einst lieb Gewonnenes wird gleichgültig. Kleidung oder Geschirr sind für uns inzwischen so unwichtig wie es Statussymbole schon immer waren. Dafür schätzen wir alles Lebende umso mehr, unsere Fische im Teich, unsere Landschildkröten, die Wildblumen, Gräser, Büsche und Bäume auf dem Grundstück. Der Himmel über uns, der Blick über die Felder, Sonnenstrahlen auf der Haut. Das bietet Deutschland genauso wie fremde Länder, nur dass die Sonnenstunden rarer sind als anderswo.

2. Betrachtungswinkel: Mit dem Reisen ändern sich die Maßstäbe. Aus Mexiko kommend, kommt uns die deutsche Perfektion, was Häuser- und Straßenbau anbelangt, gerade überirdisch vor. Keine Topez, keine Schlaglöcher, kein Müll entlang der Straßen. Was man als in Deutschland aufgewachsener Erdenbürger für selbstverständlich nimmt, fällt einem als Rückkehrer erst so richtig auf: Deutschland ist wirklich so perfektionistisch, korrekt und durchorganisiert wie sein internationaler Ruf.

3. Schon wieder ein neuer Lebensabschnitt: Der Reisestart Anfang 2018 kurz nach Übergabe unserer Firma war der Schritt in einen neuen Lebensabschnitt. Die temporäre Rückkehr nach Deutschland ist es jetzt wieder! Das Nach-Hause-Kommen entpuppt sich als nächster Start in einen neuen Lebensabschnitt. Denn „unser altes Leben“ zu Hause ist ebenfalls vorbei, seitdem wir die Verantwortung für den Betrieb abgegeben haben. Wir müssen – nein dürfen! – uns neu positionieren, den Alltag neu gestalten, die Wohnung umräumen und die Schränke von allem befreien, was noch mit dem Betrieb verbunden war.

4. Laaaaangweilig: Grün, grün, grün sind die Landschaften der Republik jetzt zum Sommer hin. Und irgendwie sieht von Bayern bis Schleswig-Holstein jede Gegend gleich aus. Wir vermissen die krassen Wechsel in der Topographie, die Dünen, die Eriosionsflächen, die Vulkane anderer Länder und Kontinente. Die deutschen Felder, Dörfer und Wälder sind nett, aber alles andere als interessant und schon gar nicht spektakulär.

5. Geballte Organisationsflut: Kommt man nach so langer Zeit nach Hause, ist die Reise nicht nur physisch vorbei, sondern auch mental. Denn es gibt so viel Klein- und Großkram zu organisieren, zu regeln und anzuleiern, dass einem gar kein Gedanke mehr an Reiseerlebnisse bleibt: Krankenkasse, Bank, Autoversicherung, Post, Passbeantragung, Arzttermine u.v.m. Da fragt man sich, wie man während der Reise ohne all‘ die Behörden und Institutionen auskommen konnte?

6. Platz gemacht: Nach den wenigen Quadratmetern Wohnmobil über zwei Jahre kommt einem die eigene Wohnung geradezu verschwenderisch groß vor. Man muss „lange Wege“ zurücklegen, wo man sich z.B. in der Küche im Womo nur umzudrehen braucht. Automatisch lässt man mehr liegen, die lEntropie = Unordnung schlägt sofort zu, wo man unterwegs morgens alles vor der täglichen Weiterfahrt sorgfältig in den Schränken verstaut hat…